Arme Region – reich an Möglichkeiten

Ein Regionalentwicklungsprogramm in Burkina Faso unterstützt acht Gemeinden dabei, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Was verbindet Getreidemühlen, Molkereiausstattung und Solarpaneele in Burkina Faso? Ein Regionalentwicklungsprogramm in der Region Boucle du Mouhon unterstützt acht Gemeinden dabei, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und die Lebensbedingungen von 250.000 Menschen zu verbessern.


Einer der beliebtesten Arbeitsplätze in der Stadt Dédougou im Westen Burkina Fasos ist wohl die Molkerei: Beim Abfüllen der Milch in Plastiksäckchen für den Verkauf steht man direkt an der Kühlanlage. Eine angenehme Abwechslung bei konstanten 40 Grad Außentemperatur. Rund 160 Liter Milch werden hier jeden Tag angeliefert, verarbeitet und verkauft. Die Molkerei ist eine der Initiativen, die die Austrian Development Agency (ADA) mit dem Regionalentwicklungsprogramm für die Region Boucle du Mohoun fördert.

Mühlen mahlen mehr Gewinn

"Das Besondere an diesem Programm ist, dass die Bevölkerung entscheidet, was sie braucht und welche Projekte als nächstes umgesetzt werden", erklärt Aboubacar Sanou, der Regionalratspräsident. So sei auch der Wunsch einer Frauen-Kooperative erfüllt worden, zwei Getreidemühlen zu kaufen. "Vieles hat sich verändert, seit wir die Mühlen haben", erzählt Alimatou Coulibay, eine der 17 Frauen, die die Mühlen betreiben: "Wir haben viel gelernt. Jetzt können wir auch kleinere Körner mahlen und das Getreide vorher besser trocknen. Die Verarbeitung ist sauberer, und wir können uns abwechslungsreicher ernähren", sagt die Mutter von vier Kindern. "Weil wir auch für andere Mais oder Hirse mahlen, verdienen wir etwas dazu. Mit dem Geld kaufe ich Schulsachen für meine Kinder und andere Lebensmittel", berichtet Coulibaly.

Zweite Ernte mit Tiroler Know-how

Ganz begeistert von der Unterstützung des Regionalprogramms sind auch vier junge Bauern. Sie bekamen notwendige Pumpen und Rohre für die Bewässerung ihrer Felder zur Verfügung gestellt. "Ich habe in Imst in Tirol studiert. Was ich dort gelernt habe, möchte ich hier in unserer Landwirtschaft umsetzen und an meine Nachbarn weitergeben", sagt Dieudonné Quedraogo. Der 27-Jährige aus Lénine will durch die Bewässerung seines Feldes eine zweite Ernte und so mehr Einkommen erwirtschaften.
"Boucle du Mouhoun ist eine der ärmsten Regionen Burkina Fasos", erklärt Regionalratspräsident Sanou: "Die Gegend hat aber gleichzeitig großes landwirtschaftliches Potenzial. Das wollen wir mithilfe des Programms in Zukunft besser nutzen." Rund 250.000 Menschen profitieren direkt davon: Solarpaneele liefern Licht für Schulen, Frauen-Kooperativen werden gestärkt und BäuerInnen dabei unterstützt, ihre Anbau- und Vermarktungsmethoden zu verbessern.

Gemeinsam stark bis 2018

Durch den politischen Wandel vor zwei Jahren - nach 28 Jahren Präsidentschaft von Blaise Compaoré - ist das Programm etwas ins Stocken geraten. Fehlende regionale Ansprechpartner erschwerten die Situation. "Jetzt ist aber alles wieder geregelt. Gemeinsam mit der ADA haben wir eine Verlängerung des Programms bis 2018 beschlossen. Damit steht der Verbesserung unserer Lebensbedingungen nichts mehr im Weg", gibt sich der Regionalratspräsident zuversichtlich.