Fair reisen

Die Austrian Development Agency unterstützt nachhaltigen Tourismus.

"Tourismus bietet die Grundlage für den Lebensunterhalt von Millionen Menschen. Er hilft mit, Armut zu verringern und inklusive Entwicklung voranzutreiben", betonte der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon anlässlich des Welttages für Tourismus 2015. Damit bekräftigte er die wichtige Rolle, die Tourismus in den internationalen Bemühungen um Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung spielt. Mittlerweile reisen weltweit mehr als eine Milliarde Menschen pro Jahr. Um Aufmerksamkeit für faires Reisen zu schaffen, rief die UN-Generalversammlung 2017 als "Internationales Jahr des Nachhaltigen Tourismus für Entwicklung" (#IY2017) aus.

Österreich und nachhaltiger Tourismus

Auch die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, fördert den Aufbau nachhaltiger Tourismusbranchen. Das reicht von der Ausbildung von Fachkräften und der Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten im Tourismussektor bis hin zur Stärkung bewusstseinsbildender Maßnahmen für "faires Reisen" und den Schutz der Umwelt. Von 2010 bis 2015 finanzierte die ADA nachhaltige Tourismusprojekte in über vierzig Ländern mit über 8,2 Millionen Euro.

Besseres Service in Albanien

Im Tourismussektor spielen qualifizierte lokale Fachkräfte für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung eine wesentliche Rolle. Mit ihnen kann eine leistungsfähige und an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit orientierte Tourismuswirtschaft im eigenen Land aufgebaut und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Es gilt, Perspektiven für die Menschen vor Ort zu schaffen. In Albanien unterstützt die ADA deshalb mit 837.000 Euro ein Projekt, das die Berufsbildungsangebote im Tourismus-, Hotellerie- und Gastgewerbesektor verbessert. In Zusammenarbeit mit der Nationalen Agentur für Berufsbildung, albanischen Tourismusschulen und Erwachsenenbildungszentren wurden neue Lehrpläne und gendersensible Berufsstandards eingeführt und Richtlinien für Praktika von TourismusschülerInnen in der Wirtschaft erarbeitet. Mädchen aus benachteiligten Familien profitieren insbesondere von dem verbesserten Zugang zu einer Ausbildung im Tourismussektor.

Koch und Kellner

Kapazitätsentwicklung im Tourismus, das hat sich auch das internationale Ausbildungsprogramm für EntscheidungsträgerInnen und UnternehmensgründerInnen am Institute of Tourism and Hotel Management in Salzburg auf die Fahnen geschrieben. Zwischen 2015 und 2018 durchlaufen über 100 Beschäftigte aus Hotellerie, Gastronomie, Reisebüros oder Tourismusorganisationen die Lehrgänge "Tourismus- und Hotelmanagement". Insgesamt ein Drittel der LehrgangsteilnehmerInnen kommt aus Schwerpunktländern der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Auch VertreterInnen von Ausbildungsinstitutionen in Uganda, Äthiopien und Georgien sind unter den zukünftigen AbsolventInnen. Die ADA unterstützt dieses Projekt mit über einer Million Euro.

Dialog mit Sahnehäubchen

In Bhutan erhielten im Juni 2016 die ersten 176 AbsolventInnen der neuen bhutanesischen Tourismusschule ihre Diplome. Der Schulaufbau und die Erstellung der Lehrpläne entstanden in Zusammenarbeit mit den Salzburger Tourismusschulen, die ADA förderte die Schule in den vergangenen Jahren mit über einer Million Euro. Beim Festakt zur Zeugnisverleihung waren auch 15 TourismusschülerInnen aus Klessheim anwesend. In Dirndl, Lederhosen und bhutanesischer Tracht servierten die AbsolventInnen und österreichischen Gäste gemeinsam Köstlichkeiten aus Bhutan sowie Schnitzel, Apfelstrudel - und eine Portion interkulturellen Dialog.

EU-Regionalentwicklung an der schönen blauen Donau

Der Donauraum hat Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Serbien entdeckt. Die ADA begleitet diese Entwicklung als Hauptverantwortliche bei der Implementierung eines EU-Regionalentwicklungsprogramms, das mit insgesamt rund 20 Millionen Euro dotiert ist. Das Programm "Socio Economic Development of the Danube Serbia Region" verfolgt den gezielten Auf- und Ausbau der Tourismusbranche in serbischen Regionen entlang der Donau. Vor Ort arbeitet die ADA mit dem serbischen Camping-Verbund, der nationalen Agentur für Tourismus und dem Nationalpark Fruska Gora zusammen. Den Fokus legen die Organisationen gezielt auf eine höhere Qualifikationen der lokalen Arbeitskräfte und die bestmögliche Nutzung kultureller und historischer Wertehaltungen. Reisen in der Region passiert mit Respekt vor Umwelt und Kultur.

"fair"Reisen mit Gütesiegel

Auf den Philippinen und in Thailand helfen verbesserte Energie- und Ressourceneffizienz und die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien dabei, den Verbrauch fossiler Brennstoffe und Co2-Emissionen zu reduzieren. Für die Verwirklichung dieses Projekts arbeitet die ADA mit dem Center for Appropriate Technology an der Technischen Universität Wien zusammen. Innovative Technologien und die Vergabe von Zero-Carbon-Zertifikaten helfen philippinischen und thailändischen Hotelverbänden, Stadtverwaltungen, NGOs, Zulieferbetrieben und Bauunternehmen, aber auch TouristInnen und Gästen, nachhaltig zu produzieren und konsumieren.

In Lateinamerika zeichnet ein Siegel nachhaltige Reiseveranstalter, Reisebüros und Hotels aus: TourCert hilft beim Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagements. Mit Erfolg: 2016 wurden die ersten 48 Unternehmen mit dem TourCert-Siegel zertifiziert.

Reisen mit Respekt - unter diesem Motto und mit 140.000 Euro fördert die ADA auch die Marke "respect" der Naturfreunde Internationale (NFI). Mit Bildungs- und aktiver Dialogarbeit werden Wirtschaftstreibende, politische EntscheidungsträgerInnen und Reisende in und aus Österreich für ökonomische, soziale und ökologische Zusammenhänge im globalen Tourismus sensibilisiert.

Letztere werden mit dem Internationalen Jahr des Nachhaltigen Tourismus für Entwicklung ganz besonders angesprochen. Jede und jeder kann durch ihr/sein persönliches Konsum- und Reiseverhalten einen Beitrag zu besseren Lebensbedingungen weltweit leisten. Reisen mit Rücksicht auf Menschen, Kulturen und Umwelt setzt den ersten Schritt dafür.