Kosovos breite Angebotspalette

"Es gibt kein Land, in dem wir mehr Wirtschaftspartnerschaften abwickeln, als den kleinen Balkanstaat", betont Gunter Schall von der ADA.

Die Besichtigungstour im Verarbeitungsbetrieb Agroproduct im Kosovo schmeichelt der Nase: Die Luft ist erfüllt von Pfefferminzduft. In einer Trocknungsanlage türmen sich Pfefferminzbüschel. Säcke voll getrocknetem Salbei, Basilikum, Rosmarin oder Wacholderbeeren warten auf ihre Weiterverarbeitung. Die Firma ist spezialisiert auf den Anbau und die Verarbeitung von Heilkräutern. Mithilfe des Förderinstruments Wirtschaftspartnerschaft der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit konnte die Angebotspalette um den Anbau von Malvenblüten erweitert werden. Rund 150 Bauern profitieren von dem Projekt mit einem Zusatzeinkommen. "Darüber hinaus sind saisonale Erntehelfer Nutznießer des Vorhabens", erklärt Gunter Schall, Leiter des Referats Wirtschaft und Entwicklung der Austrian Development Agency (ADA), VertreterInnen von Außenministerium, ADA und der Oesterreichischen Entwicklungsbank beim Lokalaugenschein Ende Oktober im Kosovo.

"Durch die Wirtschaftspartnerschaft können wir ein Gewächshaus bauen. Das ist wichtig, weil die Malvenpflanze eine bloß einjährige Spezies ist. Das heißt, wir müssen jedes Jahr neue Jungpflanzen im Gewächshaus ziehen, ehe diese dann auf den Feldern der Bauern ausgepflanzt werden können", erklärt Halit Avdijaj, der Direktor von Agroproduct und deutet stolz auf die ersten Säcke voller blauvioletter Malvenblüten, die bereits fertig für den Versand nach Süddeutschland sind.

Arbeitsplätze schaffen

Aber nicht nur landwirtschaftliche Betriebe sind für die ADA als Wirtschaftspartner interessant. Das junge IT Unternehmen Rrota entwickelt in Zusammenarbeit mit einem österreichischen Unternehmen seit 2008 Sicherheitssoftware - vornehmlich für Banken. Die beiden Impulsgeber und heutigen Geschäftsführer haben in Wien studiert, die Kunden der Firma sind daher großteils im deutschsprachigen Raum ansässig. Rrotra beschäftigt mittlerweile 25 junge MitarbeiterInnen. Sie stammen fast alle aus dem Kosovo. Zum traditionellen Geschäft der Softwareentwicklung konnte sich Rrota auch als Dienstleiser auf dem kosovarischen Markt für lokale Betriebe etablieren und bietet Services wie Homepagebetreuung und Grafikdesign an. Um das im Projekt generierte Wissen breitflächiger im Land zu verankern, kooperiert die Firma mit der Universität Pristina: neue, praxisorientiertere Lehrpläne sowie Praktika sollen die Studierenden besser für den Arbeitsmarkt qualifizieren. "Die ADA hat mit 120.000 Euro zum Projekterfolg beigetragen" sagt Schall.

Abwechslungsreicher Kosovo

Der Kosovo spielt trotz seines kleinen Staatsgebietes eine wichtige Rolle für die Wirtschaftspartnerschaften der ADA: "Es gibt kein Land, in dem wir mehr Wirtschaftspartnerschaften abwickeln, als den kleinen Balkanstaat", betont Gunter Schall von der ADA, der auf seiner Reise auch noch Wirtschaftspartnerschaften in den Bereichen kommunale Müllentsorgung, Obstbau und Augenoptik besuchte.