Fuß fassen in Jerewan

18.000 armenischstämmige Syrer sind seit dem Krieg nach Armenien geflohen. Jeden Monat bitten erneut 500 Menschen auf der Flucht beim Roten Kreuz in Jerewan um Hilfe.

18.000 armenischstämmige Syrer sind seit dem Krieg nach Armenien geflohen. Jeden Monat bitten erneut 500 Menschen auf der Flucht beim Roten Kreuz in Jerewan um Hilfe. Auch Zepur hat Unterstützung bekommen: Lebensmittel, Hygiene-Artikel, Gutscheine für Kleidung und einen Backofen. Gemeinsam mit ihrem Mann, zwei Kindern und den Schwiegereltern versucht sie einen Neuanfang, weil keiner weiß wie lange der Krieg dauern wird, wie sie betont. Ihr Mann arbeitet gelegentlich als Tischler, sie bäckt und verkauft die selbstgemachte Ware in der Nachbarschaft. "Mein größter Traum ist ein eigenes kleines Geschäft, damit ich meine Bäckereien besser verkaufen kann", erzählt die 41-Jährige.

Jede Arbeit wäre gut

"Ich würde jede Arbeiten machen, aber sie sagen, ich bin zu alt", sagt Kevork und man glaubt dem 73-Jährigen sofort. Vor drei Jahren musste er mit seiner Familie aus Aleppo fliehen. Durch das Österreichische Rote Kreuz und die Finanzierung der Austrian Development Agency hat Kevork für seine Frau lebensnotwendige Medikamente besorgen können, auch Lebensmittelpakete und Mietzuschüsse gab es. Aber viel lieber würde der alte Mann selbst Geld verdienen und zum Lebensunterhalt seiner Familie beitragen.

Hoffen auf Frieden

"Ich hoffe auf den Frieden in Syrien", sagt Georges: "Ich bin in Aleppo akzeptiert worden, auch wenn mein Vaterland immer Armenien geblieben ist. " Georges ist einer von 100.000 Armeniern, die in Syrien seit der Vertreibung ihrer Vorfahren ein neues Zuhause gefunden haben. Aber der Krieg zwang ihn und seine Familie vor eineinhalb Jahren zur Flucht. Die Werkstatt des LKW-Technikers wurde Jahren zerbombt. "Hier in Jerewan finde ich leider keine Arbeit und die Wohnungen sind teuer", ist Georges enttäuscht: "Ich bin mit meiner Frau und meinen beiden Kindern nach Armenien gekommen, weil Verwandte hier wohnen. Aber das Geld fällt nicht vom Himmel, sie können uns nicht unterstützen." Ursprünglich wollten Georges und seine Familie nur einen Monat in Armenien bleiben, aber die Situation in Syrien verbesserte sich nicht. "Es ist schlimm, das erste halbe Jahr habe ich nur geweint und wollte zurück in unser Haus", erzählt Georges Frau Narine. "Aber jetzt ist es schon wieder gut", sagt sie und lächelt tapfer.

Eine gute Zukunft

Rund 300 Familien haben durch das Hilfsprojekt des Österreichischen Roten Kreuzes und Finanzierung durch die Austrian Development Agency Unterstützung bekommen. 1.200 Menschen konnte mit 620.000 Euro unter die Arme gegriffen werden: Mit dem Notwendigsten – und mit Unterstützung bei der Jobsuche oder beim Aufbau eines eigenen Lebensunterhalts. "Ich habe keinen großen Traum. Das einzige was ich mir wünsche, ist eine gute Zukunft für meine beiden Töchter", sagt Georges und hofft, dass sich dieser Wunsch erfüllt.