Nachhaltige Entwicklung messen

Die neuen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung sind beschlossen. Für ihre Umsetzung sind Indikatoren notwendig. Was wird wie gemessen, darum ging es bei einem Symposion in Wien.

Wie kann man die 17 neuen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung und ihre 169 Unterziele am besten messen? Darüber disktuierten Ende Oktober 2015 internationale ExpertInnen in Wien. Das Symposion "Evaluating the Sustainable Development Goals" am Institut für Managing Sustainability der WU Wien wurde in Kooperation mit der Austrian Development Agency und der European Evaluation Society organisiert.

Erhebung der Daten – eine Herausforderung

Im März 2016 wird die Statistische Kommission der Vereinten Nationen bis zu 100 Indikatoren für die Messung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele vorstellen. Jedes Land kann dann noch eigene Indikatoren zufügen kann. Aufbauend auf den Daten für die Milleniumsentwicklungsziele müssen nun neue Indikatoren definiert werden. "Das Rad muss man glücklicherweise nicht neu erfinden: zahlreiche etablierte Meldepraktiken zu unterschiedlichen Strategien und Zielkatalogen auf EU- oder globaler Ebene und nationale Statistische Institute existieren bereits", betonte Karin Kohlweg, Leiterin der Evaluierung in der Austrian Development Agency (ADA). "Die Meldepraktiken und Datenerhebungen sollten aber aufeinander abgestimmt und – wo nötig - adaptiert werden", so Kohlweg. Von den Millenniumsentwicklungszielen habe man gelernt, dass Indikatoren möglichst genau definiert und statistischen Instituten gestärkt werden müssen. "Die Erhebung der Daten wird für einige Länder sicher eine große Herausforderung sein, allein wegen der derzeit angedachten freiwilligen, jährlichen Reports zu den nachhaltigen Entwicklungszielen", so Kohlweg.

Fortschritte überprüfen

"Diese Berichterstattung kann aber auch eine Chance sein, um die Fortschritte in den einzelnen Ländern zu präsentieren", ist Karin Kohlweg überzeugt. Gerade in Zeiten von Rechenschaftspflicht sei das Monitoring der nachhaltigen Entwicklungsziele ein wichtiger Auftrag. Reviews und Evaluierungen können Informationen liefern, warum sich eine Situation verbessert oder nicht, was man daraus lernen kann und was noch getan werden muss, um das Leben von Menschen nachhaltig zu verbessern.

Die Vortragenden im Symposium betonten außerdem die Wichtigkeit von Partnerschaften und die Einbeziehung der Zivilgesellschaft, der Universitäten und Forschung sowie dem Privatsektor in die Evaluierung der neuen globalen Ziele. "Seit 2001 gibt es ein Konzept zu Corporate Social Responsibility auf freiwilliger Basis. Dieses Konzept war Grundlage für weitere Initiativen, wie etwa die ISO 26000 Zertifizierung, den UN Global Compact oder die Global Reporting Initiative", betonte André Martinuzzi, Vorstand des Institute for Managing Sustainability, Wirtschaftsuniversität Wien.

Jedes Land werde die nachhaltigen Entwicklungsziele in nationale Regierungspläne und Strategien integrieren müssen, damit eine Umsetzung und Überprüfung der Ergebnisse nach 15 Jahren möglich ist, so der Tenor auf dem Symposion. Dass es dazu einen politischen Mechanismus geben müsse sowie einen Monitorings- und Review- bzw. Evaluierungsplan, darüber waren sich die ExpertInnen einig.

Ziele gemeinsam erreichen

"Auch einige reiche Länder werden noch ihre Hausaufgaben machen müssen, um die nachhaltigen Entwicklungziele zu erreichen", unterstrich Christian Kroll von der Bertelsmann Stiftung mit Verweis auf eine Studie. "Die Verantwortung für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele liege aufgrund ihrer Universalität aber auch bei jedem einzelnen und jeder einzelnen", betonte wiederum Botschafterin Sylvia Meier-Kajbic vom Außenministerium: „Jeder kann etwas tun. Und ganz besonders müssen wir uns um jene kümmern, die am Schwächsten und mit unseren Maßnahmen nicht leicht erreichbar sind", so Meier-Kajbic.