Zu Besuch bei Karma dem Schwarzhalskranich

Zu den Menschen im bhutanischen Phobjikha-Tal kommt das Glück geflogen: Jährlich im November ist das Tal wegen des Schwarzhalskranich-Festivals Anziehungspunkt für TouristInnen aus dem In- und Ausland. 900 Bauernfamilien der Region haben dadurch ein zusätzliches Einkommen.

Bald werden sie wieder kommen die Wintergäste des Phobjikha-Tals. Im Oktober ist es jedes Jahr so weit: Dann fliegen die Schwarzhalskraniche aus China ein, um in Zentralbhutan zu überwintern. Der erste Raureif ist schon da, die Kartoffeln auf über 3.000 Metern Seehöhe wurden bereits geerntet.

Es ist kühl geworden, für die vom Aussterben bedrohten Kraniche ist es aber warm genug. Sie werden bis März bleiben. Hier im Naturschutzgebiet können sie Eier legen und brüten. Sie werden bestaunt, beobachtet und im November mit einem großen Fest gefeiert.

Urlaub auf dem Bauernhof

Das Fest der Schwarzhalskraniche bietet TouristInnen aus dem In- und Ausland die Gelegenheit, im Phobjikha-Tal Urlaub auf dem Bauernhof zu machen. Viele der 900 dort lebenden Familien verdienen sich ein Zubrot, indem sie Zimmer vermieten und TouristInnen verköstigen.

"Es kommen jedes Jahr mehr Gäste", berichtet Aum Passang zufrieden. 40 TouristInnen beherbergte die Bäuerin im Vorjahr. Auch ihr Nachbar Ap Yangka ist froh über das zusätzliche Einkommen von rund 1.500 Euro pro Jahr. "Mit dem Geld konnte ich Reparaturen am Haus erledigen, Helfer für die Kartoffelernte bezahlen und meine Kinder beim Studium unterstützen", erzählt der Bauer. Seit fünf Jahren bietet er Zimmer für Gäste an.

Sanfter Tourismus

Das ganze Tal profitiert vom Tourismus und von den Schwarzhalskranichen. "Hier gibt es keine verlassenen Höfe", betont Aum Passang. Erleichterung habe auch die Anbindung an das Stromnetz gebracht. "Jetzt muss ich nicht mehr neben dem Reis stehen und aufpassen, dass er nicht anbrennt. Ich schalte den Reiskocher ein, gehe aufs Feld und wenn ich zurückkomme, ist der Reis fertig", erzählt Passang. Vor knapp zehn Jahren wurde ihr Bauernhaus und das der NachbarInnen an das Stromnetz angeschlossen.

Die Austrian Development Agency (ADA) hatte damals die Elektrifizierung mit 1,6 Millionen Euro unterstützt. "Das Besondere war, dass die Stromleitungen am Rand des Tals entlang des Waldes und zum Teil unterirdisch verlegt wurden", erklärt Johannes Binder, Leiter des ADA-Büros in Thimphu: "Das war notwendig, um die vom Aussterben bedrohten Schwarzhalskraniche nicht zu stören, die Natur zu schützen und damit auch den sanften Tourismus zu erhalten."

Karma-Pflege

"Die Stromleitungen unterirdisch zu verlegen war wichtig. So können die Schwarzhalskraniche weiterhin ihre gewohnten Flugbahnen nutzen. "Wir zählen mittlerweile über 600 Vögel. Das heißt, es sind in den letzten Jahren mehr geworden", freut sich Santa Lal Gajmer vom Schwarzhalskranich-Besucherzentrum.

Das Zentrum informierte 2016 7.000 BesucherInnen über die Schwarzhalskraniche. "Eine besondere Attraktion ist Karma, ein Kranich, den wir wegen einer Flügelverletzung in einem Gehege betreuen müssen. Karma kann man ganz aus der Nähe bestaunen", ergänzt Gajmer.

Rund 90.000 Menschen jährlich besuchen Bhutan. Sie kommen aus der ganzen Welt. Interessierte müssen bei einem lokalen Reisebüro buchen. Bhutan reguliert so den Besucherandrang. Lediglich für Reisende aus Indien, Bangladesch und den Malediven gibt es Ausnahmen.