Bessere Chancen für Menschen mit Behinderung
"Bevor es das Ressource-Zentrum gab, habe ich mich hauptsächlich zu Hause aufgehalten", so die 60-jährige Andelka. "Jetzt treffe ich Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich. Wir tauschen uns aus und beteiligen uns an den angebotenen Aktivitäten." Gemeinsam mit vielen anderen Menschen mit Behinderung hat Andelka im Ressource Zentrum in Novi Sad eine neue Aufgabe gefunden.
Schwierige Vorbedingungen
In der autonomen Provinz Vojvodina im nördlichen Teil der Republik Serbien leben rund 200.000 Menschen mit Behinderung. Starke Vorurteile gegenüber diesen Menschen und strukturelle Benachteiligungen herrschen nach wie vor in allen Bereichen des Lebens. "Als wir das Ressource-Zentrum gegründet haben", erzählt Anna Bu, die Geschäftsführerin des Ökumenischen Hilfswerks, "fanden wir eine Situation vor, die in vieler Hinsicht unerträglich war. Es gab keine Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, deren Standards mit anderen europäischen Ländern vergleichbar gewesen wären. Wir hatten viel aufzuholen."
Ein Arbeits-, Lern- und Begegnungszentrum
Wer heute das Ressource-Zentrum für Menschen mit Behinderung in Novi Sad besucht, ist von vielen aktiven Menschen umgeben. KlientInnen sitzen an Computern und schreiben E-Mails oder recherchieren im Internet. Anja, eine junge Frau mit Down Syndrom, ist für die Küche zuständig. Sie bereitet die Jause für die Seniorengruppe vor, die sich in den Räumen des Ökumenischen Hilfswerks trifft. Stanka und Lazlo sind in der Druckerei beschäftigt. Sie drucken, binden und verpacken kleine Broschüren, Hochzeitseinladungen und Folder. Der 28-jährige Afrim sitzt auf Grund einer Muskeldystrophie seit seiner Kindheit im Rollstuhl. "Durch meine Behinderung habe ich keine gute Schulbildung erhalten. Außerdem sind wir Roma aus dem Kosovo. Beides zusammen hat es mir bislang praktisch unmöglich gemacht, einen Arbeitsplatz zu finden", so Afrim. Heute ist er für die KlientInnenstatistik des Zentrums zuständig.
Ein Projekt mit Zukunft
Das Ressource-Zentrum wurde 2002 vom Ökumenischen Hilfswerk in Novi Sad gegründet und wurde von Anfang an von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt. Es hat sich in den acht Jahren seines Bestehens von einer kleinen Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung, die rechtliche und psychologische Beratung in Anspruch nehmen wollten, zu einem Zentrum entwickelt, das von den Behörden der Stadt und der Region als ernst zu nehmender Gesprächspartner wahrgenommen wird. Einen besonderen Erfolg des Projekts stellt die Tatsache dar, dass die MitarbeiterInnen des Ressource-Zentrums an der Ausarbeitung eines Gesetzesentwurfes beteiligt waren, welcher vorsieht, dass Unternehmen ab einer bestimmten Größe Menschen mit Behinderung einstellen müssen. Im Mai 2009 wurde dieser Gesetzesentwurf vom Provinzsekretariat beschlossen.










