Fragen & Antworten
Warum leistet Österreich Entwicklungszusammenarbeit?
Rund eine Milliarde Menschen lebt in extremer Armut. Es ist eine Frage der Solidarität, die weltweite Armut zu reduzieren, darüber hinaus profitiert auch Österreich von einer gerechteren Welt. Denn globale Probleme wie Hunger, Armut, Klimawandel, Konflikte, Umweltverschmutzung haben auch Auswirkungen auf Österreich. Daher braucht es gemeinsame Lösungen.
Seit wann gibt es die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit?
Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit begann Ende der 1950er-Jahre. Nach der großzügigen Unterstützung durch den "Marshall-Plan" in den Nachkriegsjahren wollte Österreich weltweit Solidarität mit armen Menschen zeigen.
Wie viel gibt Österreich für Entwicklungszusammenarbeit aus?
2007 hat Österreich rund 1,3 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln für Entwicklungszusammenarbeit aufgewendet. Das sind 0,50 % des Bruttonationaleinkommens (BNE). Darin enthalten sind auch Beiträge an multilaterale Institutionen wie die Organisationen der Vereinten Nationen, internationale Finanzinstitutionen und die Europäische Union sowie Entschuldungsmaßnahmen. Verglichen mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten liegt Österreich mit 0,50 % im oberen Drittel. Österreich hat international zugesagt, die Entwicklungshilfeleistungen bis 2015 auf 0,7 % des BNE zu steigern. Jedoch nicht nur das eingesetzte Geld zählt. Vorrangig geht es um die Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit. Österreich setzt im internationalen Einklang auf die Eigenverantwortung der Partner, auf noch bessere Abstimmung und auf gegenseitige Rechenschaftspflicht. Ziel ist es, die Qualität weiter zu verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungshilfe?
Beide Begriffe meinen die Unterstützung armer Menschen in Entwicklungsländern, sind aber Ausdruck unterschiedlicher Herangehensweisen. Entwicklungshilfe signalisiert eine Art Einbahnstraße vom Norden in den Süden, von Helfern zu Empfängern. Seit den 1990er-Jahren wird ein partnerschaftlicher Ansatz verfolgt: Entwicklungszusammenarbeit.
Bringt Entwicklungszusammenarbeit überhaupt etwas?
Der Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) 2007 hat gezeigt, dass die Kindersterblichkeit zurückgegangen ist, doppelt so viele Kinder wie vor 20 Jahren in die Schule gehen und die Analphabetenrate gesunken ist. In manchen Regionen relativieren jedoch Krisen und Faktoren wie hohes Bevölkerungswachstum und Klimawandel Entwicklungserfolge.
Woher weiß Österreich, was die Länder im Süden und Osten brauchen?
Die Partnerländer der OEZA erarbeiten nationale Programme, in denen sie ihre Entwicklungsziele und Prioritäten festlegen. Österreich unterstützt diese Ziele durch Programme und Projekte oder mit direkten finanziellen Beiträgen, d. h. Budgethilfe. Die MitarbeiterInnen in den OEZA-Büros vor Ort sind über die lokale Situation gut informiert.
Wie werden die Länder ausgesucht, mit denen die OEZA zusammenarbeitet?
Viele Partnerländer der OEZA zählen zu den am wenigsten entwickelten Ländern. Die Zusammenarbeit hat oft vor Jahrzehnten mit Initiativen von Kirchen oder Privatpersonen begonnen. Aus diesen Einzelprojekten wurden langfristige, strategische Kooperationen mit Ländern und Regionen.
Welche Rolle spielen österreichische Nichtregierungsorganisationen?
Österreichische wie auch internationale Nichtregierungsorganisationen sind für die OEZA sehr wichtig. Einerseits sind sie Partner in Programmen und Projekten, andererseits sind sie oft Sprachrohr bestimmter Bevölkerungsgruppen in den Entwicklungsländern und vertreten deren Anliegen. Österreichische Organisationen tun viel, um auf globale Probleme aufmerksam zu machen und Zusammenhänge darzustellen.
Wie kooperiert die Entwicklungszusammenarbeit mit der österreichischen Wirtschaft?
Die internationale Staatengemeinschaft ist zu der Einsicht gelangt, dass die Gelder der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit reicher Länder nicht ausreichen, um die Armut wirksam zu bekämpfen. Die OEZA will daher auch die Privatwirtschaft für sinnvolle Investitionen in Entwicklungsländern gewinnen. Jedoch nur, wenn sie entwicklungspolitischen Kriterien entsprechen und dazu beitragen, die Armut zu reduzieren.
Was kann ich persönlich tun, damit es den Menschen in Entwicklungsländern besser geht?
Es gibt viele Möglichkeiten, sich persönlich zu engagieren: Zum Beispiel kommt der Konsum von fair gehandelten Produkten Bäuerinnen und Bauern in Entwicklungsländern zugute. Auch das Engagement in entwicklungspolitischen Organisationen und die Unterstützung von Kampagnen sind Lobbying für die Anliegen der Menschen in Entwicklungsländern.
Wer entscheidet, wie viel Mittel für Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt werden?
Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BmeiA) legt die politische Linie fest und erarbeitet ein Budget, das mit dem Finanzminister verhandelt wird. In den Bundesländern sind die Landeshauptleute für Entwicklungszusammenarbeit zuständig.
Die UNO hat im Jahr 2000 die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) beschlossen. Können die MDGs erreicht werden?
Die acht von der UNO beschlossenen Millenniums-Entwicklungsziele werden vermutlich nicht alle bis 2015 erreicht werden. Trotzdem hat sich vieles zum Positiven verändert: Im Vergleich zum Jahr 1990 ist die Lebenserwartung in Entwicklungsländern um 2 Jahre gestiegen, 30 Millionen mehr Kinder gehen zur Schule, die politische Beteiligung von Frauen hat zugenommen, weltweit hat die Kindersterblichkeit abgenommen, 130 Millionen Menschen konnten sich aus extremer Armut befreien. Die MDGs sind international ein wichtiger Maßstab geworden und haben bewirkt, dass das Bewusstsein für die Not von Milliarden von Menschen deutlich gewachsen ist. Allerdings sind auch weiterhin sehr große gemeinsame Anstrengungen von Industrie- und Entwicklungsländern notwendig.
Was tut die OEZA gegen den Klimawandel?
Die OEZA unterstützt die Partnerländer dabei, die Auswirkungen der Erderwärmung besser bewältigen zu können. Sie setzt zudem auf den Einsatz erneuerbarer Energiequellen und den Schutz natürlicher Ressourcen. Die Programme werden dahingehend geprüft, wie sie sich auf die Umwelt auswirken.
Was ist fairer Handel?
Fairer Handel bedeutet, dass die ProduzentInnen in den Entwicklungsländern für ihre Produkte gerecht entlohnt werden. Dafür müssen bestimmte Qualitäts- und Sozialstandards eingehalten werden. Fairer Handel ist wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit.
Was tut Österreich gegen den Hunger auf der Welt?
Das Hauptziel der OEZA ist die Verringerung der Armut. Damit geht auch die Bekämpfung von Hunger einher. Programme der ländlichen Entwicklung beugen Hunger vor, indem die Produktion von Nahrungsmitteln verbessert und die natürlichen Ressourcen geschützt werden. In Krisensituationen wird z. B. über das Welternährungsprogramm der UNO (WFP) zur Bewältigung von Hungersnöten beigetragen.
Was ist die Oesterreichische Entwicklungsbank?
Die Oesterreichische Entwicklungsbank gibt es seit 2008. Ihre Aufgabe ist es, privatwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern zu unterstützen. Sie leistet durch langfristige direkte oder indirekte Investitionsfinanzierung einen Beitrag zu Armutsminderung, nachhaltigem Wirtschaftswachstum und Beschäftigung.
Welche Strukturen hat die OEZA vor Ort?
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit hat eine Verbindungsstelle in Brüssel und 17 Büros in den Partnerländern. Das erleichtert den Dialog mit den Partnern vor Ort sowie mit den Vertretungen anderer Länder, die Entwicklungszusammenarbeit leisten. Die so genannten Koordinationsbüros achten außerdem auf die effiziente Durchführung der Programme.
Was ist der Unterschied zwischen Schwerpunkt- und Partnerländern?
Partnerländer sind alle Länder, mit denen die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit kooperiert. In Schwerpunktländern werden umfassende Programme durchgeführt und mehr Mittel eingesetzt. Außerdem ist die OEZA dort durch ein Koordinationsbüro vertreten, das sich jedoch auch um die Projekte in den benachbarten Partnerländern oder um regionale Zusammenarbeit kümmert.
Warum werden die Länder auf dem Balkan unterstützt, sie zählen doch zu Europa?
Auch in unserer Nachbarschaft ist die Armut erdrückend. Österreich begleitet die Länder auf dem Balkan nach den verheerenden Kriegen in den 1990er-Jahren auf ihrem Weg in die EU, vor allem in Bereichen, die neue Jobs und Perspektiven schaffen. Damit wird ein Beitrag zur Weiterentwicklung Europas und zu Frieden und Wohlstand geleistet.
Kann man bei der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit auch als EntwicklungshelferIn arbeiten?
Die OEZA selbst entsendet keine EntwicklungshelferInnen. Sie unterstützt aber Organisationen, die Fachkräfte einsetzen oder Jugendlichen Projektarbeit für ein Jahr ermöglichen, z. B. HORIZONT3000 oder Jugend Eine Welt.
Welthandel und Entwicklungszusammenarbeit - ein Widerspruch?
Bei Verhandlungen von internationalen Handelsabkommen stehen die Interessen der eigenen Region, des eigenen Landes und der eigenen Wirtschaft im Mittelpunkt. Entwicklungszusammenarbeit sieht es als ihre Aufgabe, international faire Konditionen für Entwicklungsländer einzufordern und im Sinne der Partnerländer auf die Verhandlungen einzuwirken. Ziel muss ein Kompromiss sein, der für alle Seiten akzeptabel ist.
Rund 60 % der weltweiten Entwicklungszusammenarbeit wird von der EU getragen. Bestimmt die EU auch die internationale Entwicklungspolitik?
Die Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission sind mit mehr als der Hälfte der Gelder gemeinsam der größte Geber und setzen z. B. mit der EU-Afrika-Strategie wichtige Akzente. Prinzipiell gilt es, alle Politikbereiche so zu gestalten, dass sie sich auf die Entwicklungsländer möglichst positiv auswirken und es zu keinem Widerspruch mit Entwicklungszielen kommt.
Wie ist garantiert, dass Entwicklungsgelder ordnungsgemäß eingesetzt werden?
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit ist mit Büros in den Partnerländern vertreten und informiert sich laufend über die lokale Situation. Die Programme und Projekte werden auf vielen Eben begleitet. Dazu zählt auch die Kontrolle der Ausgaben.
Warum leistet Österreich einen direkten Beitrag zu den Budgets von Entwicklungsländern?
Nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn neben der Zivilgesellschaft und Wirtschaft auch der Staat seine Rolle wirksam erfüllt, das heißt Institutionen aufbaut, die in Folge Leistungen für die Bürger erbringen. Dazu braucht es auch ein staatliches Budget. Österreich leistet Budgethilfe in einigen wenigen Ländern, die sich dafür qualifiziert haben.




