Globale Klimagerechtigkeit und Ernährungssicherheit gefordert
"Es braucht dringend mehr Engagement der Industrieländer für globale Klimagerechtigkeit und Ernährungssicherheit. Es muss Schluss sein mit kurzsichtigen politischen Maßnahmen, die auf Kosten der Ärmsten und künftiger Generationen in Entwicklungsländern gehen", betonte Landesrat Josef Plank, Geschäftsführender Präsident des Ökosozialen Forums Österreich, bei der Eröffnung einer Veranstaltung, am 9. Oktober 2008, zum Welternährungstag 2008 in Wien. Die massiven Auswirkungen des Klimawandels und steigende Lebensmittelpreise treffen die Menschen in armen Ländern besonders stark. Schon bisher waren mehr als 850 Mio.
Menschen von Hunger betroffen. Aktuell droht diese Zahl um weitere 100 Mio. anzusteigen. Das Recht auf angemessene Ernährung für alle rückt damit mehr denn je in die Ferne.
Klimawandel verstärkt Hunger
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährungssicherung. Immer häufigere und intensivere Wetterextreme führen zu Missernten, Trinkwassermangel und dem Austrocknen von ganzen Regionen vor allem in Afrika und Asien. Als Folge geht die landwirtschaftliche Produktion zurück, es kommt zu Nahrungsmittel- und Trinkwasser-Engpässen und hohen Grundnahrungsmittelpreisen. Die landwirtschaftlichen Erträge in Industrieländern und den Ländern des "Südens" werden sich, so Prognosen, bis 2080 noch gegensätzlicher entwickeln als bisher (Industrieländer plus 8 %, „Süden" minus 9 %)2. Gerade Entwicklungsländer und ihre Landwirtschaft werden somit besonders stark vom Klimawandel betroffen sein. Gleichzeitig bleibt die Landwirtschaft gerade in diesen Teilen der Welt unmittelbare Lebensgrundlage für die Menschen.
Globaler Vertrag für mehr Klimagerechtigkeit
Die Europäische Union sei mit ihren Klimaschutzmaßnahmen und dem Emissionshandel bereits gut unterwegs, so Plank. Ziel müsse jedoch ein globaler Emissionshandel sein, der Regionen mit geringem CO2-Ausstoß neue finanzielle Mittel zur Entwicklung bringen würde. "Es braucht eine globale Verantwortung, die diese Fragen berücksichtigt, die aber auch Industrieländer in die Pflicht nimmt und Klimagerechtigkeit fordert. Nationen, die ohne Rücksicht auf Klima und Umwelt produzieren, dürfen keine Marktvorteile haben."
Mehr EZA-Mittel für Modernisierung der Landwirtschaft
Die Weiterentwicklung der Landwirtschaft in den Ländern des Südens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark vernachlässigt, die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten größer geworden. Landflucht und steigende Bevölkerungszahlen haben die Ernährungssituation weiter verschärft. "Es müssen deutlich mehr Gelder als bisher in die Modernisierung der Landwirtschaft in den 'Süden' fließen", betonte der Geschäftsführende Präsident des Ökosozialen Forums Österreich. Derzeit sind es etwa 3 Prozent der gesamten Mittel. "Durch eine Modernisierung durch Technik- und Know-How-Transfer könnten die landwirtschaftlichen Erträge vor allem in Afrika spürbar gesteigert und die regionale Versorgung mit Nahrungsmittel
verbessert werden."
0,7 Prozent sind nicht zu viel
Es gehe aber nicht nur um die Verteilung von EZA-Mittel, sondern zudem um die Verpflichtung, die nötigen Mittel auch aufzubringen. Josef Plank: "Österreich braucht einen engagierten und realistischen Stufenplan, um mittel- und langfristig seiner finanziellen Verpflichtung gegenüber den Entwicklungsländern nachkommen zu können. Denn eine Investition in globale Fairness und Entwicklung ist auch eine Investition in die Zukunft Österreichs."
Österreich hat sich wie alle Industrieländer dazu verpflichtet, bis 2015 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. 2007 waren es inkl. Bildungs- und Entschuldungsmaßnahmen 0,49 %. Weil heuer ein Großteil der Entschuldungen ausläuft, könnte es zu einem weiteren Absinken der Entwicklungshilfemittel kommen.
Nachhaltige Produktion von Bioenergie
"Der richtige Weg in Österreich, Biosprit nur unter der Voraussetzung von hohen Sozial- und Umweltstandards zu produzieren, muss global umgesetzt werden. Die Lebensmittelerzeugung muss jedoch immer erste Priorität haben", forderte der Geschäftsführende Präsident des Ökosozialen Forums Österreich, Josef Plank. Die EU-Kommission arbeitet an Schutzmechanismen, die sicherstellen sollen, dass alle Importe aus nachhaltiger Produktion stammen. Wie wirksam diese Nachhaltigkeitsstandards sein werden, ist von der Umsetzbarkeit im Rahmen der WTO und von der Frage abhängig, inwieweit die USA in diese Verpflichtungen
eingebunden werden können. "Die aktuelle weltweite Finanzkrise zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie wichtig es wäre, nachhaltige internationale "Spielregeln" zu haben", betonte Plank.
Veranstaltung anlässlich des Welternährungstages 2008
"Klimawandel und Bioenergie als Herausforderungen für die weltweite Ernährungssicherung" war das Thema der Veranstaltung anlässlich des Welternährungstages 2008 der Vereinten Nationen in Wien. Mit der Veranstaltung wollen das Lebensministerium, die Österreichische
Entwicklungszusammenarbeit (OEZA), FIAN (Food First Information und Action Network) und das Ökosoziale Forum Österreich auf die brisante weltweite Ernährungssituation hinweisen und eine thematische Brücke zwischen der Außen- und Landwirtschaftspolitik schlagen. Die erste gemeinsame Veranstaltung zum Welternährungstag fand 2003 statt, im Vorjahr konnte als zusätzliche Partnerin die NGO FIAN gewonnen werden, die vor allem zum Thema Recht auf Nahrung arbeitet.










