Kap Verde: Karge Ressourcen, große Pläne
Die Inselrepublik Kap Verde gilt als afrikanische Erfolgsgeschichte. Das Land ist eine stabile Demokratie und hat in der der Entwicklung stark aufgeholt. Österreich lässt seine Entwicklungszusammenarbeit mit Kap Verde nun langsam auslaufen.
Eine Reportage von Elisa Vass für ORF Journal-Panorama am 27. Mai 2010: oe1.orf.at/programm/230556/
Knappe Ressourcen, große Pläne
Kap Verde ist mit etwa 4.000 Quadratkilometern das fünftkleinste Land Afrikas und dennoch eine Erfolgsgeschichte. Als der 500 Kilometer vor der Westküste Senegals im Atlantik gelegene Inselstaat im Jahr 1975 von Portugal in die Unabhängigkeit entlassen wurde, zählte er zu den allerärmsten Ländern der Welt.
1986 wurde Kap Verde ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Heute, 35 Jahre später, ist das Land eine stabile Demokratie und hat sich so gut entwickelt, dass einige europäische Länder ihre klassische Entwicklungshilfe einstellen. Unter anderem Österreich: 2011 wird die Entwicklungszusammenarbeit auslaufen, die Beziehungen werden auf eine neue Ebene gestellt.
Was hat die OEZA in Kap Verde geleistet?
Ein Schwerpunkt der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Kap Verde war die Entwicklung mehrere Flusseinzugsgebiete auf der Hauptinsel Santiago. Bis vor wenigen Jahren war die landwirtschaftliche Nutzung hier nur kurz nach der Regenzeit möglich.
Ziel des Entwicklungsprojekts war es, das in Kap Verde äußerst knappe Wasser optimal und umweltschonend zu nutzen. In Ribereita hat man fünf Brunnen gegraben und 25 Dämme für Rückhaltebecken gebaut. 80.000 Bäume wurden aufgeforstet und Tröpfchenbewässerung installiert.
Vieles habe sich dadurch geändert, erzählt die Bäuerin Carolina Calu, sie hätten fließendes Wasser in die Häuser bekommen und könnten nun das ganze Jahr über Gemüse anbauen - und so habe sich auch die Ernährungssituation gebessert.
Hilfe zur Selbsthilfe
Anfangs wurden die Projekte von österreichischen Durchführungsorganisationen abgewickelt. Nun aber, in der Konsolidierungsphase, hat man die Verantwortung an das kapverdische Landwirtschaftsministerium abgetreten.
Der Idealfall von Entwicklungszusammenarbeit: Knowhow und Erfahrung werden an die zuständigen Stellen des Landes weitergegeben, das die Projekte dann selbst weiterführt und dafür Geld für sein Budget bekommt. So kann sichergestellt werden, dass Institutionen und Strukturen für eine erfolgreiche Weiterführung im Land gesichert sind.
Weitere erfolgreiche Projekte der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Kap Verde: Mitentwicklung eines Regionalentwicklungsplans der Hauptinsel Santiago, Finanzierung des nationalen Umweltplans, sowie Mitfinanzierung eines regionalen Zentrums für erneuerbare Energie und Energieeffizienz.
Wohin geht Kap Verde?
Kap Verde hat keine Rohstoffe und kaum Industrieproduktion. Aufgrund der Wasserknappheit kann das Land weniger als 10 Prozent seines Lebensmittelbedarfs selbst decken. Außer etwas Fisch und Bananen kann Kap Verde nichts exportieren.
Obwohl der Aufstieg in die "Länder mit mittlerem Einkommen" geschafft wurde, stammt nach wie vor ein Drittel des Budgets aus Hilfsgeldern und günstigen Krediten von Geberländern. Etwa ein Viertel der Einwohner Kap Verdes lebt nach wie vor unter der Armutsgrenze.
Wirtschaftliche Pläne
Die Regierung des Inselstaatsmöchte die hohe Abhängigkeit vom Ausland langsam loswerden und hat ehrgeizige Pläne: Man will die günstige geographische Lage des Landes nutzen und Kap Verde zu einem Drehkreuz für Schiff- und Luftfahrt, zu einem IT- und Finanzzentrum machen. Außerdem soll der Tourismus auf einigen Inseln, wie zum Beispiel auf Sal, stark ausgebaut werden - zu Lasten der Umwelt.
Partnerschaft mit der EU
Seit 2007 hat Kap Verde eine spezielle Partnerschaft mit der EU - als einziges Land des afrikanisch-karibisch-pazifischen Raums. Der Vertreter der EU in Kap Verde betont, dass auch die EU sich Vorteile aus guten Beziehungen zu dem kleinen, stabilen Inselstaat erhofft.
So sieht man Kap Verde als Stützpunkt in der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, die für die EU einen riesigen potenziellen Markt darstellt.










