Lernen aus Projekten
Projekte und Programme effektiv und nachhaltig zu gestalten ist ein zentrales Ziel der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Um dies sicherzustellen, werden sie regelmäßig unter die Lupe genommen. Die Analyse von vergangenen Erfolgen, aber auch Problemen, stellt einen wichtigen Beitrag für die zukünftige Arbeit dar. Die im Wasser- und Abwassersektor beratenden Konsulenten von KPC führten im Auftrag der Austrian Development Agency, der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, eine Nachschau ausgewählter Projekte in Mazedonien und Albanien durch.
Lebensader Wasser
Insgesamt 140 km Wasser- und Kanalleitungen waren in den vier untersuchten Projektregionen verlegt, alte Hausbrunnen und Senkgruben durch moderne Wasserbehälter, Kläranlagen, neue Brunnen und Pumpen sowie Hausanschlüsse und öffentlich zugängliche Wasserentnahmestellen ersetzt worden.
Bessere Versorgung als Anreiz
Im mazedonischen Cucer Sandevo merkt man die Verbesserung der Lebensbedingungen und den gewonnen Komfort: die Flucht vom Land in die Stadt ist geringer geworden seit die Wasserver- und -entsorgungsanlagen laufen und die Grundstücke an Wert gewonnen haben. Viele kommen sogar in die Region zurück. Leider fehlt es bisher an lokalen Planungskapazitäten, um die Anlagen weiter auszubauen.
In Krivogastani im Südwesten des Landes bewerkstelligte die Gemeinde selbst und mit Hilfe von Förderungen des mazedonischen Staates die Weiterentwicklung der Versorgungsanlagen. Die positiven Effekte des Projektes konnten so noch mehr Wirkung zeigen: Das saubere Trinkwasser verbesserte vor allem die gesundheitliche Situation in der Region, in der es vor Projektbeginn aufgrund der zu nahe an den Hausbrunnen gelegenen Senkgruben zahlreiche Hepatitis-Erkrankungen gegeben hatte.
Geringe Zahlungsmoral
In einem Projektgebiet im benachbarten Albanien, das insgesamt vier Dörfer umfasst, erschließt sich ein weniger erfreuliches Bild. Nicht alle Anlagen sind fünf Jahre nach Projektabschluss noch in Betrieb. Manche sind aufgrund von mangelhafter Wartung in schlechtem Zustand. Verantwortlich sind großteils Schwächen in der Verwaltung auf Gemeindeebene sowie unklare institutionelle Verantwortlichkeit und geringer politischer Rückhalt. Viele BewohnerInnen wollen den ohnehin sehr geringen Wassertarif nicht bezahlen und zapfen die offiziellen Wasserleitungen illegal an. - Ein in Südosteuropa weit verbreitetes Problem: in Sarajewo beispielsweise liegt der durch illegale Anschlüsse erzeugte Verlust bei 70 % des gesamten Wasserverbrauchs.
Neue Potenziale
Die BewohnerInnen des rund 50 km nördlich gelegenen Kastrat wissen die Vorteile der Wasserver- und -entsorgung zu schätzen. Ihr Dorf liegt sehr abgeschieden in den Bergen und ist mit dem Auto nur schwer erreichbar. Bevor durch das Projekt der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zahlreiche öffentliche Wasserentnahmestellen im Dorf errichtet wurden, hatten vor allem Frauen und Kinder täglich bis zu drei Stunden mit Wasserholen verbracht. "Wir möchten die bessere Versorgungssituation nutzen und unsere Region auch für Bergtouristen attraktiver machen", so der Bürgermeister der Gemeinde. Durch den Tourismus als zusätzliche Einnahmequelle erhofft man sich die Lebenssituation der Menschen weiter zu verbessern.
Lessons learnt
Die Projektnachschau zeigt, dass die rechtzeitige Einbeziehung der BürgerInnen in die Projekte von großer Bedeutung ist. Das erhöht die Bereitschaft, eine solide Verwaltung der errichteten Infrastruktur zu etablieren und in weiterer Folge sozial angepasste Wassertarife zu zahlen. Bewusstseinsbildung und Wissenstransfer sind zentral, damit Wasserver- und -entsorgung nachhaltig gut funktionieren. Österreichische Wasserprojekte gelten nach wie vor als innovative Vorzeigebeispiele.










