Mehr Strom für Bhutans Dörfer
Durch den Beitrag von 1,8 Millionen Euro der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit werden weitere 112 Haushalte in Lingzhi und Soe in Bhutan Strom bekommen. Beide Dörfer liegen rund 4000 Meter über dem Meeresspiegel und sind nur durch Fußmärsche von drei bis vier Tagen zu erreichen. Ein direkter Anschluss an das allgemeine Stromnetz ist nicht möglich, aber zwei kleine Wasserkraftwerke werden Abhilfe schaffen.
Anfang Dezember unterzeichneten die Austrian Development Agency, die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, und die Gross National Happiness Commission Bhutans ein entsprechendes Abkommen.
Stromanschluss in großer Höhe
Der Stromanschluss von Haushalten in extremer Höhe wurde von der königlichen Regierung Bhutans bisher kaum in Angriff genommen. Die Gründe dafür sind die fast zehnfach höheren Kosten und die äußerst schwierigen technischen und ökologischen Rahmenbedingungen.
Durch die Förderung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und dank der technischen Expertise der Abteilung für erneuerbare Energie des bhutanischen Energieministeriums konnte jedoch eine beispielhafte Lösung entwickelt werden. Der für diese Höhenlage erstmalige Bau von Kleinwasserkraftwerken soll die Menschen der beiden Dörfer in Zukunft mit Strom versorgen. Die Bauzeit ist für 36 Monate geplant. Die Gemeinden, die die Anlagen auch warten sollen, werden entsprechend ausgebildet.
Flächendeckende Elektrifizierung
Das Vorhaben schließt an die langjährige österreichische Unterstützung der königlichen Regierung Bhutans an, die bis 2020 alle BhutanerInnen mit Elektrizität versorgen will. Das kleine Himalaja-Königreich verfügt über große Wasserressourcen. Der Energiesektor hat daher in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht großes Potenzial. 77 Prozent des gesamten Energiebedarfs des Landes werden derzeit jedoch immer noch durch Brennholz gedeckt. Vor allem in privaten Haushalten ist Holz die primäre Energiequelle und der große Holzbedarf hat aufgrund massiver Abholzung und der dadurch entstehenden Erosionsgefahr enorme Auswirkungen auf die Umwelt. Eine flächendeckende Stromversorgung könnte diese Probleme deutlich mindern. Die bhutanische Energiepolitik setzt deshalb einen besonderen Schwerpunkt in der ländlichen Elektrifizierung. Die Zielvorgabe des zehnten Fünf-Jahresplans (2008-2013) ist es, weitere 40.257 Haushalte an das Stromnetz anzubinden.
Energie als Schwerpunkt der Zusammenarbeit
Auch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit definiert ländliche Elektrifizierung in ihrer Landesstrategie Bhutan als einen Schwerpunkt. Durch ihre Förderung erhielten insgesamt bereits rund 1700 Haushalte im Osten, Westen und Süden Bhutans sowie in der Hauptstadt Thimphu Strom.
Auch mit einem anderen Vorhaben erzielte die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit bereits Erfolge unter sensiblen Umweltbedingungen. Im Phobjika Tal, dem natürlichen Lebensraum und Nistplatz des gefährdeten Schwarzhalskranichs, konnte die Lebenssituation der Menschen anhand eines unterirdischen Verteilersystems verbessert werden. Dieses versorgt 800 Haushalte mit Strom. Gleichzeitig trägt es zum Umwelt- und Naturschutz bei, indem es die Wanderbewegungen der Vogelart unangetastet lässt.
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit war außerdem maßgeblich am Bau der Wasserkraftwerke Rangjung und Basochhu beteiligt. Beim Wasserkraftwerk Dagachhu, das die königliche Regierung Bhutans selbst mit Krediten der Asian Development Bank und der Österreichischen Kontrollbank finanziert, stellt sie die technische Beratung im Baumanagement.
Merkliche Resultate
Eine sozio-ökonomische Studie der Universität Linz 2006 und eine Wirkungsstudie der Asian Development Bank 2011 bestätigen positive Wirkungen des ländlichen Elektrifizierungs-Programms. Die Menschen profitieren nicht nur von Licht und Energie, sondern auch von der Zeitersparnis durch das Wegfallen der Holzsuche. Besonders gut bewertet wird auch, dass Atemwegserkrankungen zurückgegangen sind und die Landflucht weniger geworden ist.










