
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützt Länder in Afrika, Asien, Zentralamerika sowie in Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklung.
Das Außenministerium (BMeiA) plant die Strategien und Programme, die Austrian Development AgencySie investieren in die Märkte der Zukunft?
Wir fördern Unternehmergeist und Ideen.
Österreichs drittgrößter Windkrafterzeuger Windkraft Simonsfeld unterstützt in den bolivianischen Hochlandregionen die Verbreitung von Solarthermie. Ein CSR-Engagement und vielleicht der erste Schritt in einen neuen Markt.
Die Windkraft Simonsfeld AG, kurz WKS, 1996 von Weinviertler Windkraftidealisten gegründet, ist zur Erfolgsstory geworden. Das Unternehmen ist heute Österreichs größter privater und insgesamt drittgrößter Windenergieerzeuger - nach der BEWAG-Tochter Austrian Windpower und der EVN-Tochter Naturkraft. Mit Stromproduktion und technischen Aufträgen konnte die WKS ihren Umsatz seit 2002 verzwanzigfachen.
Das Unternehmen expandiderte mit seinem Core Business Windenergie bisher nach Bulgarien und Rumänien. Zusätzlich ist es derzeit in Bolivien tätig, im Bereich Solarthermie. Im Unterschied zu Photovoltaik nutzt die Solarthermie die Sonnenenergie direkt, zur Warmwassererzeugung und/oder Heizung.
Für das neue Segment findet sich im Unternehmen durchaus Platz. "Die WKS ist im Kerngeschäft ein Windkraftunternehmen", erklärt Geschäftsführer und Vorstand Martin Steiniger, "ihr Betätigungsfeld umfasst aber den gesamten Bereich der erneuerbaren Energien." Dennoch ist die Sonderstellung des Bolivien-Projekts im WKS-Gefüge unverkennbar: Zum einen weil sich das Projektgebiet weit außerhalb des strategischen Aktionsradius des Unternehmens befindet, zum anderen weil keine unmittelbaren Gewinnerwartungen an das Projekt geknüpft sind. Bei einer Betrachtung des Selbstverständnisses des Unternehmens erhält die Investition dennoch ihre Logik.
Die WKS sieht sich als Wegbereiterin einer Energiewende: hin zu den erneuerbaren, weg von den fossilen Energieträgern inklusive Kernkraft. Und dies weltweit, "zum Nutzen von Mensch und Umwelt", so WKS-Boss Steininger. Aus dieser Perspektive lässt sich unternehmerischer Erfolg nicht auf ökonomische Rendite reduzieren, das Unternehmen will auch ökologische und soziale Rendite erbringen, und dies, ohne auf Opportunitäten übermäßig Rücksicht nehmen zu müssen. Zugleich darf gesellschaftliche Verantwortung, kurz CSR, auch etwas kosten. "Wir sehen es als Teil unserer Mission", sagt Steininger, "auch in Energieprojekte zu investieren, die wenig entwickelten Regionen zu gute kommen."
Mit dem sozio-ökologischen Investment gehen Zusatznutzen einher. "Solche CSR-Projekte verleihen uns eine Sonderstellung gegenüber dem Mitbewerb", erläutert Steininger das Engagement. "Außerdem tragen sie zur Weiterbildung und Identifizierung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen bei."
Dank der besonderen Sonneneinstrahlungsverhältnisse bietet das Hochland Boliviens beste Voraussetzungen für den Einsatz von Solarthermie. Mit einem Sonnenkollektor kann sich ein Haushalt ganzjährig mit Warmwasser versorgen, ohne die Gastherme anzuwerfen oder teuren Strom durch so genannte Lorenzetti-Duschköpfe zu jagen, wahre Energiefresser, die in vielen Haushalten zur Warmwassererzeugung verwendet werden. Bei den herben klimatischen Bedingungen auf bis zu 4.000 Meter Seehöhe ist jedes Mittel gut.
Bei einem Umstieg auf Solarthermie - die Amortisationszeit eines Sonnenkollektors liegt bei drei bis vier Jahren, die Lebensdauer kann sogar zwanzig Jahre erreichen - könnten die bisher eingesetzten Ressourcen - Gas, Strom, Finanzmittel - anderweitig verwendet werden. Dennoch fand die Solarthermie bisher wenig Beachtung.
Den Gründen ging Florian Mayer, Leiter des Bolivien-Projekts bei der WKS, im Zuge der Projektvorbereitung nach. Er erkannte, dass überholte Technik und fehlendes Kundenservice sowie Misstrauen der potenziellen Nutzer und teure Produkte die Entstehung eines Solarthermie-Markts bisher verhinderten. Für eine Trendwende müsste das Angebot verbessert und die Nachfrage stimuliert werden.
Da die Solarthermie neben ihrem Nutzen großes Potenzial für die Schaffung lokaler Arbeitsplätze enthält, könnte sie in Bolivien ein wichtiger Wirtschaftszweig werden. Weshalb auch Entwicklungsorganisationen wie die UNIDO auf diese Technologie für das arme südamerikanische Land setzen.
Als Kofinancier für ein entsprechendes Vorhaben in drei Departamentos des westbolivianischen Hochlands gewann Mayer, der mit ganzer Seele hinter dem Projekt steht, die Austrian Development Agency ADA. Diese verpflichtete sich Mitte 2009, das Projekt wegen seiner armutsmindernden und ressourcenschonenden Wirkungen im Rahmen einer Wirtschaftspartnerschaft mit 120.000 Euro - das sind 50 Prozent der Gesamtkosten - über zwei Jahre zu unterstützen. Zugleich sollte das Projekt der WKS die Tür nach Bolivien öffnen: Das Unternehmen kann sich als seriöser Anbieter alternativer Energielösungen erweisen, um so mittel- bis langfristig im Land Fuß zu fassen. "Kurzfristig ist aber keine weitere Investition in Bolivien geplant", so Steininger.
Das Projekt ist nun schon voll im Gang. Mit Partnern aus Österreich und Bolivien setzte Mayer in der zentral gelegenen Stadt Cochabamba einen einmonatigen Solartechniker-Crash-Kurs auf, den bereits vierzehn Teilnehmer erfolgreich abschlossen. Der Kurs wird nun landesweit beworben und soll offiziell anerkannt werden. Auch wurden Produkte und Produktionsbedingungen von fünf Solarkollektorherstellern evaluiert und Verbesserungsvorschläge präsentiert. Sobald die Produktionslinien umgestellt sind, werden 50 Haushalte mit Kollektoren ausgestattet. Für die Finanzierung bietet eine lokale NGO Mikrokredite an. Zudem soll die Öffentlichkeit über die Vorteile der Technologie informiert werden. Mayer ist zuversichtlich, ihr zum Durchbruch verhelfen zu können: "Photovoltaik hat in Bolivien einen Markt, obwohl die Anlagen importiert werden müssen. Solarthermie sollte noch mehr einschlagen, weil da die Wertschöpfung im Land bleibt!"
Der Kooperation mit der ADA waren zwei Projekte mit österreichischen Schulen vorausgegangen: 2004 unterstützte die WKS die HTL Braunau bei der Installation einer Windkraftanlage in der nicaraguanischen Stadt León, 2005 sponserte sie einen Workshop in der bolivianischen Stadt El Alto zur praktischen Umsetzung einer an der Wiener HTL Ettenreichgasse entstandenen Diplomarbeit zur Solarthermie. 2007 fand dort ein weiterer Workshop statt.
Das Engagement blieb auch in unseren Breiten nicht unbeachtet. 2007 nahm die Windkraft Simonsfeld den Trigos-Preis für Unternehmen mit Verantwortung entgegen. Noch im gleichen Jahr folgte eine Auszeichnung beim Energy Globe Vienna. Und 2008 erreichte das Unternehmen Platz 11 von 125 Bewerbern um den European Business Award for Environment. Es fragt sich, ob und wie der Applaus für das laufende Projekt noch gesteigert werden kann - durchaus im Dienste der Energiewende.
Die Windkraft Simonsfeld WKS, gegründet 1996 als GmbH & Co KG im niederösterreichischen Ernstbrunn und seit 2009 eine AG, betreibt neben 55 Windkraftanlagen in Österreich auch zwei in Bulgarien. Unter Vorstand Martin Steininger erwirtschaftete die WKS 2009 mit 32 Mitarbeitern einen Umsatz von 18,5 Mio. Euro. Neben der Stromproduktion (2009: 239 GWh) sind technische Betriebsführung und Projektentwicklung wichtige Geschäftsfelder, die die WKS zusätzlich in die Slowakei, nach Bosnien-Herzegowina und nach Bulgarien führten.
© corporAID Magazin Nr. 30, Juli 2010
CorporAID ist eine Initiative des Institutes zur Cooperation von Entwicklungs-Projekten (ICEP).