Artenvielfalt sichert Entwicklung
Wien, 21. Mai 2010 - Die Vereinten Nationen erklärten 2010 zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt. Gefordert wird ein nachhaltiges Management der Vielfalt des Lebens. Eine wichtige Rolle kommt Biodiversität im Zusammenhang mit Entwicklung und Armutsminderung zu. Denn mit dem Aussterben unzähliger Tiere und Pflanzen gehen (über)lebenswichtige Ressourcen unwiederbringlich verloren.
Vom Verlust der biologischen Vielfalt sind besonders die ärmsten Bevölkerungsgruppen betroffen. Ihr Überleben hängt oft unmittelbar von intakten Ökosystemen und reichhaltigen Ressourcen ab. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit setzt genau dort an: "Für uns ist die biologische Vielfalt die Basis für funktionierende Wasserkreisläufe, Klimaregulation, Bodenfruchtbarkeit und die Nahrungsmittelproduktion in unseren Partnerländern", betont Brigitte Öppinger-Walchshofer, Geschäftsführerin der Austrian Development Agency, der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. "Wir integrieren daher den Erhalt der Biodiversität in alle unsere Programme und Projekte."
Industrialisierte Landwirtschaft bringt Artensterben
Der Reichtum an Nutztierrassen, Kulturpflanzen und traditionellen Sorten steht in vielen Ländern für Ernährungssicherheit. Kleinbäuerliche ProduzentInnen - vor allem Frauen - in Afrika, Asien und Lateinamerika sind auf diese genetische Ressourcenvielfalt angewiesen. Lokal angepasste Pflanzensorten und Tierrassen sichern ihr Überleben auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen und auf nährstoffarmen Böden.
Laut Welternährungsorganisation FAO sind von 6.000 bekannten Nutztierrassen in den letzten 15 Jahren rund 300 ausgestorben. 1.350 gelten als bedroht. Außerdem sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts drei Viertel aller Kulturpflanzensorten und das damit verbundene traditionelle Wissen für immer verloren gegangen. Grund dafür ist in erster Linie die Ausbreitung der "modernen, industrialisierten Landwirtschaft" und der damit einhergehende Siegeszug einiger weniger Hochleistungssorten. Diese versprechen zwar mehr Ertrag, verlangen aber ungleich höhere Investitionen und vermehrten Einsatz von Dünger und Pestiziden. Sie sind zudem oft nicht an die Bedingungen in den Entwicklungsländern angepasst.
Trendumkehr mit österreichischer Hilfe
Projekte und Programme der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit wollen diesen Trend stoppen. Entwicklungsländer werden dabei unterstützt, verdrängte traditionelle Sorten und Rassen wieder heimisch zu machen und der Bevölkerung damit lokal produzierbare, hochwertige Nahrungsmittel zu bieten. Seit 1993 unterstützt Österreich zum Beispiel über das in Nepal ansässige "International Center for Integrated Mountain Development" (ICIMOD) die Erforschung und Förderung der Imkerei mit der einheimischen Honigbiene Apis cerana, die durch die europäische Honigbiene verdrängt wurde. Die Biene trägt wesentlich zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Region bei. Sie fliegt bestimmte Pflanzen an, die von der importierten Honigbiene gemieden werden und daher vom Aussterben bedroht sind. Außerdem ist sie besser an die Bedingungen in der Himalaya-Region angepasst, krankheitsresistent und billiger in der Haltung. Die Bienenzucht verbessert das Haushaltseinkommen vieler Familien. In Nicaragua unterstützt Österreich die Züchtung und Vermarktung lokaler, seltener Kakaosorten, die das Einkommen der Bauern und Bäuerinnen steigern und gleichzeitig einen Beitrag zur Erhaltung von Kultursorten leisten.
Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency
Die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
Information und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Gertraud Findl
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