Katastrophen-Einsatz am Dach der Welt
Kann ein See ausbrechen? Er kann. In Bhutan ist der Ausbruch von Gletscherseen eine der größten Naturgefahren für das Land. Der letzte große Ausbruch vor 25 Jahren hatte verheerende Folgen: 20 Millionen Kubikmeter Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen überrollten das Krönungskloster der
Wangchuck-Dynastie und zerstörten es fast gänzlich. Viele Menschen kamen ums Leben.
Gletscherseen als Klimabombe
Die globale Erderwärmung trägt dazu bei, dass durch die verstärkte Schneeschmelze das Risiko von Gletscherseeausbrüchen rasant zunimmt. Im Himalaya-Königreich Bhutan gibt es über 670 Gletscher und über 2.600 Gletscherseen. "Die Seen sind eine tickende 'Zeitbombe'. Rein statistisch
gesehen durchbricht im Himalaya alle drei bis fünf Jahre ein Gletschersee die Moränendämme. Sie sind eine große Gefahr für Bevölkerung, Landwirtschaft, Bau- und Kraftwerke", erklärt Professor Hermann Häusler vom Erdwissenschaftlichen Zentrum der Universität Wien. Mit Unterstützung
der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) erforschte er mit einer Gruppe von österreichischen WissenschafterInnen bereits vor einigen Jahren die Veränderungen der Umweltbedingungen in Nordbhutan. Mithilfe der Daten von Satellitenbildern und modernster Computertechnologie konnten Ausbruchsszenarien simuliert und sogar die Höhe möglicher Flutwellen
berechnet werden. Auf dieser Basis wurden für die bhutanische Regierung Gefahrenzonenpläne erstellt.
Vorsorgeplan soll Leben retten
Für die Umsetzung derartiger Vorsorgemaßnahmen in wenig entwickelten Ländern steht nun ein eigener Fonds der internationalen Klimakonvention, der "Least Developed Country Fund", zur Verfügung. Bhutan ist das erste Land, dessen nationales Programm zur Minimierung von Gletscherseeausbrüchen über diesen Fonds abgewickelt wird. Die OEZA beteiligt sich daran. Dabei geht es sowohl um die Integration von Klimarisiken in die nationalen Katastrophenvorsorgepläne als auch um die Errichtung eines funktionierenden Frühwarnsystems. Ist dieses Projekt erfolgreich, so soll es in der ganzen Region Himalaya-Hindukush umgesetzt werden.
Projektpartner der OEZA: UNDP Bhutan








