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Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützt Länder in Afrika, Asien, Zentralamerika sowie in Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklung.

Das Außenministerium (BMeiA) plant die Strategien und Programme, die Austrian Development Agency (ADA) setzt diese gemeinsam mit öffentlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen um.

Akteure
BMeiA
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
ADA
Austrian Development Agency

weitere öffentliche Akteure

Wo bin ich?


Der Tag, an dem die Straße kommt

Seit gut einem Jahr arbeitet Christina Westermayer im Dschungel Nicaraguas. In der Gemeinde La Cruz del Río Grande unterstützt sie als wirtschaftliche Beraterin kleinbäuerliche Projekte beim Planen und Vermarkten ihrer Produktion. Große Veränderungen warten dabei auf alle Beteiligten. Im Jahr 2010 wird der Ort, der bisher nur über den Wasserweg erreichbar ist, an das Straßennetz angeschlossen.

 

Transport nur über den Wasserweg

Christina Westermayer benutzt das Boot als Verkehrsmittel.
© by: Petra Westermayer

Nur mit dem Boot ist La Cruz erreichbar.

Die Gemeinde La Cruz del Río Grande ist für unsere Verhältnisse etwas abgelegen. Straße gibt es keine und auch das Schnellboot von Bluefields braucht fünf Stunden hierher. Ein Umstand, den die meisten BewohnerInnen gelassen hinnehmen. "Uns geht es eigentlich gut, wenigstens haben wir ausreichend zu essen", hört man oft. Sogar mehr als ausreichend, denn die landwirtschaftliche Produktion wirft Überschüsse ab. Doch die Möglichkeiten, diese Erzeugnisse dorthin zu transportieren, wo gute Preise dafür erzielt werden können, sind eingeschränkt. Und damit auch die Chance auf zusätzliche Einkommensquellen. Auch wenn der Magen voll ist, fehlt es schnell am nötigen Kleingeld, um Hefte für die Schule zu kaufen oder einen Arzt zu besuchen.

 

Von Ernährungssicherheit zu Marktorientierung

Zwei Frauen einer Kooperative tauschen sich über ihre Produkte aus.
© by: P. Westermayer

Kakaobutter kommt als Kosmetikartikel zur Anwendung.

Aus diesem Grund produzieren die Kleinbetriebe am Río Grande zunehmend für den Markt. Der Ausbau der landwirtschaftlichen Produktpalette und der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen spielen aber nach wie vor eine große Rolle. Auch eine Geschäftsidee alleine reicht nicht aus, denn unternehmerisches Denken ist gefragt. "Da gibt es etwa eine Gruppe von Frauen, die eine Bäckerei aufmachen möchten. Oder - eine Familie hat begonnen, Schokolade herzustellen, diese Menschen unterstützen wir mit persönlicher Beratung und kleinen Krediten beim Start in die Selbständigkeit", erklärt Christina Westermayer.

 

Frauen formieren sich

Ein Schild der Kooperative begrüßt gender-gerecht: Bienvenidos (as) = die Willkommenen (innen).
© by: P. Westermayer

Gleichberechtigung am Rio Grande: Bienvenidos (as) = die Willkommenen (innen)

"Wir setzen also bei der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte an und versuchen so, Einkommensquellen zu schaffen, insbesondere auch für Frauen," ergänzt die junge Handelswissenschafterin aus Wien. Sie weiß, dass die Situation für die Frauen noch immer besonders schwierig ist. Aber die kleine Gemeinde befindet sich im Umbruch, wie etwa die Kooperative Unión Cristiana de Productores de Cacao - UNCRISPROCA - in der Nähe von La Cruz del Río Grande beweist. Im Jahr 1997 gegründet zählt sie derzeit 147 Kakaobauern und Kakaobäuerinnen in insgesamt 14 comunidades zu ihren Mitgliedern. Neben dem begehrten Bildungsprogramm gibt es auch fünf Frauengruppen bei UNCRISPROCA. Diese stoßen allerdings oft auf den Widerstand der Männer, wie Esterlina Rocha Gómez, Vize-Präsidentin des Vereins zu berichten weiß. Die sechsfache Mutter hat erst im Erwachsenenalter Lesen und Schreiben gelernt und wird Ende dieses Jahres die Schule abschließen: "Meine sechs Kinder sind stolz auf ihre Mama." Sie lacht und ergänzt nachdenklich: "Für manche Männer bin ich ein rotes Tuch, sie wollen nicht, dass ihre Frauen in die Frauengruppe gehen und verbieten ihnen die Teilnahme. Ich sage immer zu den Frauen: Seid euch im Klaren über eure Rechte und Pflichten. Rechte sind dazu da, eingefordert zu werden."

 

Große Veränderungen stehen bevor - Das Warten auf die Straße

Die Mitglieder der Kooperative versammeln sich unter einem Baum.
© by: P. Westermayer

Die Kooperative trifft sich.

La Cruz stehen große Veränderungen bevor. Im Jahr 2010 soll der Ort ans Straßennetz angebunden werden. Auch wenn die Anbindung Vorteile bringt, werden für manche schwierige Zeiten anbrechen. Denn bislang lief alles recht überschaubar ab. Die BäuerInnen konnten sich auf stabile Handelsbeziehungen verlassen, und erstklassigen nachhaltig biologischen Kakao produzieren. "Die Herausforderung liegt darin, dass die BäuerInnen die hohen Standards halten und nicht der Versuchung des schnellen Geldes erliegen. Mit der Straße werden auch viele kleinere Zwischenhändler kommen, die wenig Wert auf Qualität, aber großen auf schnelle Lieferung legen," erläutert Christina Westermayer. Die Nächte in Siawás sind still, das Unken der Kröten, das Zirpen der Grillen, selten das Brummen des Stromgenerators, hie und da tuckert vielleicht noch ein Boot vorbei, Fernsehen gibt es keines. Man sitzt noch ein Weilchen zusammen und geht früh schlafen. Wie wird es hier wohl in zehn Jahren aussehen? Beantworten kann diese Frage heute niemand.

 

Der Einsatz von Christina Westermayer im Rahmen des Personalprogramms von HORIZONT3000 wird von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.