Home Logo Print

Navigation allgemein


Navigation Informationen



ENTWICKLUNG.AT

Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützt Länder in Afrika, Asien, Zentralamerika sowie in Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklung.

Das Außenministerium (BMeiA) plant die Strategien und Programme, die Austrian Development Agency (ADA) setzt diese gemeinsam mit öffentlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen um.

Akteure
BMeiA
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
ADA
Austrian Development Agency

weitere öffentliche Akteure

Wo bin ich?


Ein offenes Haus für Kinder in Not

Das dreijährige Mädchen Dascha.
© by: Caritas

Die dreijährige Dascha hat im Zentrum Schutz gefunden.

Im Spielzimmer des Kinderzentrums sitzt die dreijährige Dascha auf dem Teppichboden, greift nach einem Puzzlestück und legt es konzentriert an seinen Platz. Dascha ist blass und schmal, man würde sie wesentlich jünger schätzen. „Anfangs weinte sie nur und verkroch sich hinter den Möbeln", erinnert sich die Psychologin. „Langsam fasst sie Vertrauen und öffnet sich". Die Polizei hatte Dascha vor vier Monaten aus einer völlig verwahrlosten Wohnung weg von betrunkenen Eltern geholt, die sich nicht um sie kümmerten. Das Schicksal des Mädchens teilen viele Kinder in Kiew. Schutz und Hilfe bietet nun ein Modellprojekt der Caritas im Vorort Darnitsa, das „Centre for children in crisis situations". Dascha ist eines von fünfzehn Kindern in Krisensituationen zwischen drei bis 16 Jahren, die in der Wohngruppe im ersten Stock ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben.

 

Ort der Geborgenheit

Eingang vom Zentrum.
© by: ADA/Simone Ungersboeck

Viele Kinder kommen direkt von der Straße ins Caritaszentrum.

Das Caritaszentrum dient als Anlaufstelle für Kinder in Not. Die einen sind obdachlos und kommen direkt von der Straße ins Zentrum. Andere sind Sozialwaisen. Sie haben Eltern, die sie aber nicht versorgen können. Fast alle Mädchen und Buben haben Gewalterfahrungen hinter sich. Platz hat das Zentrum für bis zu 30 Kinder. Es bietet einen sicheren Platz zum Schlafen, die Möglichkeit ein Bad zu nehmen, saubere Kleidung und warme Mahlzeiten. Um körperliche Verletzungen und seelische Wunden kümmern sich ein Arzt und eine Psychologin. Für schulische Angelegenheiten stehen LehrerInnen zur Verfügung. Sozialarbeiterinnen helfen die nötigen Dokumente zu besorgen, ohne die öffentliche Leistungen wie Schul- und Arztbesuch verwehrt bleiben. Im Zentrum können die traumatisierten Mädchen und Buben bleiben, bis sie zur Ruhe gekommen sind. Gemeinsam mit den Kindern und - wenn vorhanden - den Familien wird nach Perspektiven gesucht: Sei es die Rückkehr in die Familie, eine Pflegefamilie oder auch einen Ausbildungsplatz.

 

Eine Kindheit auf der Straße

Zentrumsleiterin Vera Koshil mit Kindern.
© by: Caritas

„Wir haben hier einen Ort des Schutzes und der Geborgenheit geschaffen“, meint Zentrumsleiterin Vera Koshil.

Etwa 8.000 Straßenkinder soll es in Kiew geben. Sie verlassen ihr Zuhause, weil Arbeitslosigkeit und Alkoholismus ihre Familien zerstört haben. „Es sind Familien, die beim gesellschaftlichen Umbruch nach Ende der Sowjetunion auf der Strecke geblieben sind", erzählt Vera Koshil, Präsidentin der Caritas-Partnerorganisation Fond Aspern. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung in der Ukraine und mehr als 80 Prozent der PensionistInnen leben in extremer Armut. Materielle Not und Hoffnungslosigkeit, Alkohol und Drogen hinterlassen Spuren. Offiziellen Zahlen zufolge gibt es in der Ukraine mehr als 100.000 Kinder, die ohne elterliche Obsorge aufwachsen. „Viele laufen von Zuhause weg, weil für sie ein Leben auf der Straße immer noch besser ist, als ein Leben bei den Eltern. Sie leben auf sich allein gestellt, schlafen in Schächten der Fernheizung, um nicht zu erfrieren, sie betteln, schnüffeln billigen Klebstoff, um sich zu betäuben", schildert Koshil.

 

Auf eigenen Beinen stehen

Jugendliche mit einer Pädagogin.
© by: Caritas

Schritt für Schritt werden die Jugendlichen begleitet, um ein selbstständiges Leben führen zu können.

Im zweiten Stock des Zentrums befindet sich eine betreute Wohngemeinschaft für Jugendliche im Alter von 16 bis 23 Jahren. Hier wohnt der 19-jährige Denis. Er lebte einige Jahre auf der Straße, hat aber den Sprung geschafft. Mittlerweile konnte er die Grundschule abschließen und hat einen Job als Zeitungsausträger gefunden. In der Abendschule macht er eine Ausbildung zum Bauhandwerker. „Mein Traum ist einen guten Job zu bekommen, um später eine eigene Familie zu gründen", sagt Denis. Für die meisten BewohnerInnen bedeutet die Wohngemeinschaft erstmals ein eigenes Zuhause zu haben. Es gilt den Alltag zu meistern, selbst zu waschen und zu kochen. Der Weg zurück in die Schule, in eine Ausbildung, an einen Arbeitsplatz ist nach einem Leben auf der Straße aus eigener Kraft fast unmöglich. Die Jugendlichen auf diesem Weg zu unterstützen ist das Ziel des Projekts, damit sie Schritt für Schritt ein selbstständiges Leben führen zu können.

Etwa 100 Kindern pro Jahr will Zentrumsleiterin Vera Koshil umfassend helfen, unter anderem in Zusammenarbeit mit den städtischen Sozialeinrichtungen. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützte das Projekt „Centre for children in crisis situations" von Juli 2007 bis Dezember 2008 mit 65.000 Euro.