Gemeinsam Grenzen überwinden
Durch ein Projekt zur lokalen Wirtschaftentwicklung für Gemeinden in der Grenzregion Nicaragua/Honduras werden Grenzen überwunden und die Lebensqualität verbessert.
Um in die drei Grenzgemeinden San Pedro, San Francisco in Nicaragua und San Marcos de Colón in Honduras zu kommen, muss man vom nicaraguanischen Dorf "Cinco Pinos - Fünf Pinien" die ungepflasterte Bergstraße Richtung Honduras nehmen. Endet diese, geht es zu Fuß oder mit dem Pferd auf schmalen Pfaden weiter steil bergauf. Die Anstrengungen lohnen sich, um in das abgeschiedene Quellgebiet mehrerer Flüsse im Flusstal "Cuenca del Río Negro/Guasaule" zu gelangen. Obwohl zwischen den einzelnen Dörfern in dieser Region nur wenige Kilometer liegen, sind sich die BewohnerInnen lange Zeit mit Misstrauen begegnet. Die Konflikte der Vergangenheit haben die Kommunikation über die Grenzen hinweg unterbunden. Durch ein Projekt zur lokalen Wirtschaftsentwicklung, gefördert von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, wurden diese Barrieren aber überwunden. "Durch das Entwicklungsprojekt scheinen die Grenzen gefallen zu sein", berichtet ein Dorfbewohner: "Die Nachbarn aus Honduras kommen, um mit uns lokale Feste zu feiern und unser Arzt betreut einmal die Woche Kinder und Kranke in Honduras. Das ist sogar von den nicaraguanischen Behörden anerkannt worden."
Wassermangel in der Abgeschiedenheit
Das Projekt, das gemeinsam von der nicaraguanischen Organisation APRODESE und deren honduranischen Partnerorganisation ODESA umgesetzt wurde, trägt Früchte: In insgesamt 16 Dörfern, die von Abwanderung, Armut und prekärer Wasserversorgung gekennzeichnet sind, machen sich BewohnerInnen beider Länder gegen das Austrocknen des Flusses Río Negro stark und bemühen sich das ökologische Gleichgewicht im Flusstal zu erhalten. Unter dem Stichwort "Nachhaltige ländliche Entwicklung" werden in 500 und 1.300 Meter Seehöhe alle Anstrengungen unternommen, um den Teufelskreis von Degradierung und Verarmung zu stoppen. So konnten die Lebensumstände im Grenzgebiet, dessen Infrastruktur und Ernten durch den Tropensturm "Felix" 2007 stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, mithilfe eines Gesamtplans zum Wassermanagement nachhaltig verbessert werden.
Ressourcen schützen und Heilpflanzen verkaufen
Neben dem Schutz der natürlichen Ressourcen und der biologischen Vielfalt im Quellengebiet, förderte das Projekt Produktdiversifizierung und landwirtschaftliche Vermarktung, um die Einkommenssituation der Bevölkerung zu verbessern. Konkret integrieren BäuerInnen Heilpflanzen wie Zitronengras und Vetiver in den Mais-Bohnen-Anbau an den Hängen, um den Boden zu erhalten und weitere Produkte vermarkten zu können. 66.000 Setzlinge wurden gepflanzt um die Berghänge und Anbauflächen wirkungsvoll vor Erosion zu schützen. Die Ernährungssituation von 29 Familien hat sich durch neue Treibhäuser, effizientere Produktionsanlagen sowie eine diversifizierte Kleintierhaltung und Bienenzucht verbessert. Neu organisierte und speziell geschulte Brandschutz- und Umweltbrigaden helfen Waldbrände zu verhindern und zu bekämpfen sowie die Naturressourcen zu erhalten. In 13 Gemeinden wurde ein kommunaler Wasserzugang geschaffen. Dadurch hat sich der vormals schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessert und Frauen und Kindern bleibt die schwere Arbeit des Wasserholens erspart.
Vernetzung im Grenzgebiet
Durch die Ausstattung mit solarbetriebenen Radioempfängern sind die Dörfer nunmehr besser vernetzt und im Falle von Katastrophen kann leichter Hilfe von außen organisiert werden. Partizipative Programme zu technischen, kulturellen und sozialen Themen sowie verschiedene Kampagnen fördern Weiterbildung und Informationsbeschaffung in der vormaligen Abgeschiedenheit. Die Dorfbewohner sind stolz auf ihren gemeinschaftlichen Wasserzugang, ihre verbesserte Kommunikation "mit der Außenwelt" durch die Radiogeräte, die größere Vielfalt an Produkten, die sie nun herstellen, die Organisation diverser Komitees mit spezifischen Aufgaben und ihre zunehmenden Kontakte zu den Nachbardörfern in Honduras. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der öffentlichen Institutionen und privater Initiativen vor allem auf Gemeindeebene wurde intensiviert und verbessert. Nachbarschaftskonflikte wurden erheblich reduziert. 350 Familien profitieren davon.
An der Zukunft wird weitergearbeitet
2009 waren aufgrund des Sturzes der Regierung in Honduras viele Geber gezwungen die Zusammenarbeit mit der Regierung einzufrieren. Ausgangssperren verhinderten viele Aktivitäten. Das von Österreich geförderte Projekt in der Grenzregion konnte nach der erfolgreichen Pilotphase in der Hauptphase nicht mehr durchgeführt werden. Allerdings hat das Projekt eine Datenerhebung möglich gemacht, die für weitere Maßnahmen genützt werden kann. Ein neues von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit sowie der EU mitfinanziertes Projekt zur Armutsreduktion entstand: Der Fokus dabei wird insbesondere auf die Senkung der Mutter-Kind-Sterblichkeit und die technische Ausbildung von Jugendlichen gelegt.










