Mehr Tropfen auf den heißen Stein!
Guatemala - das Land des Kakaos, der bunten Kopftücher und jahrtausendealten Maya-Kulturen. Wer sich hierher, in die entlegenen Gebiete des Polochic-Flussbeckens aufmacht, der reist in die Vergangenheit. Ohne Strom zu leben, ist für die Menschen der kleinen Gemeinden Pueblo Viejo, Cancoy und Rio Chiquito keine Ausnahme. Der Umgang mit den unbändigen Kräften der Natur ist Teil ihres Lebensrhythmus. Heute geht es aber nicht mehr nur darum, sich selbst und die eigene Sippe zu ernähren - es gilt, den Herausforderungen, die die globalisierte und immer wärmere Welt mit sich bringt, mit angemessener Vorbereitung begegnen zu können. Denn eines ist den indigenen Völkern schon lange klar: Der Klimawandel ist auch in Guatemala angekommen, ihre Pflanzen bekommen selten, aber dann besonders heftigen Regen ab, die Erde hält dann einfach nichts mehr: Der Boden schwimmt buchstäblich unter den Füßen davon. Irgendwann erreicht die braune Suppe dann das Meer, wo die fischreichen Lebensräume der Korallen am Mittelamerikanischen Riffs langsam zerstört werden.
Integriertes Wassermanagement

- © by: WWF/Stefane Mauris
Bessere Trinkwasserversorgung für die indigene Bevölkerung.
Wasserspeicher und Wasserleitungen sind es, die in Guatemala vielerorts Großes bewirken können. Ein Projekt des WWF und der Österreichischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Austrian Development Agency, ADA) beschäftigt sich seit zwei Jahren intensiv mit integrativem Wassermanagement in der Region des Polochic-Flussbeckens - und das mit Erfolg, wie der Leiter der WWF-Naturschutzabteilung, Andreas Wurzer berichtet: "Integriertes Wassermanagement basiert auf drei wichtigen Zielsetzungen: Zu allererst wollen wir einen sicheren Zugang zu Trinkwasser für die Bevölkerung garantieren. Damit sollen die indigenen Gemeinden in der Region unterstützen werden, sodass sie neue Einkommensquellen erschließen können. Last but not least geht es um den Naturschutz in der Region." Die Errichtung der Wasserzisternen und der Umstellung der Bewässerungsmethoden bilden dabei einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Wasserverschmutzung im Mittelamerikanischen Riff. Das nützt nicht nur der Meereswelt, sondern rückwirkend wiederum der Bevölkerung in Küstennähe, die besonders stark vom Fischfang abhängig ist.
Von der Umsetzung des Projektes profitierten bislang über 500 Familien in der näheren und weiteren Umgebung. Ein Gebiet von 4.704 Hektar wurde durch neu angelegte Trinkwasserzugänge entlastet.
Drei Gemeinden - drei Schwerpunkte
In der Cancoy Gemeinde liegt der Schwerpunkt auf der Produktion und Vermarktung von Kardamom. Durch das neue Bewässerungssystem konnten die 57 von der Kardamom-Produktion abhängigen Familien ihren Gewinn um 17 % steigern, während die Erosion durch die verbesserten Bearbeitungsmöglichkeiten in einem Gebiet von 1.290 Hektar um 12 % zurückgegangen ist. "Diese Daten konnten wir mittels GIS (Geographic Information System) ermitteln", so Wurzer.
In der Gemeinde Pueblo Viejo wird vor allem Kaffee angebaut und verarbeitet. Die Kaffeeproduktion liegt hier in den Händen der Frauen: Zwischen 16 und 20 Jahre alt sind die meisten - durch ihre Arbeit profitieren 346 Familien. Andreas Wurzer: "Auch hier wurden verbesserte landwirtschaftliche Bearbeitungsmöglichkeiten im Rahmen eines Projektes auf einer Fläche von über 2.500 Hektar implementiert, was insgesamt 34 neue Jobs geschaffen hat."
Bienen und ihre süßen Erzeugnisse sind das Hauptanliegen der Gemeinde Rio Chiquito. Durch das Projekt des WWF und der ADA wurden 17 neue Arbeitsplätze rund um die Produktion und Vermarktung von Honig geschaffen, die sich wiederum positiv auf 92 bestehende Arbeitsplätze auswirken. Das durchschnittliche Familieneinkommen in der Gemeinde ist um 15 % gestiegen, auch hier konnten die Erosionen durch verbesserte Bewässerungsanlagen auf einer Fläche von 907 Hektar deutlich reduziert werden.
Nachhaltig und unabhängig

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In Pueblo Viejo wurden durch den Kaffeeanbau Jobs geschaffen.
Andreas Wurzer ist mit den Ergebnissen der Projektes zufrieden: "Die Gemeinden sind jetzt gut organisiert und führen die nachhaltige Produktionsweise fort. Sehr viele Familien sind durch das Projekt zu gesicherten, langfristigen Einnahmequellen gekommen, die sich eigentlich kaum von ihrer traditionellen Lebensweise abheben, aber einen wichtigen Beitrag zum Überleben leisten. Zusätzlich konnten wir die Erosionsschäden in dem betroffenen Gebiet wesentlich eindämmen." Und dass im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit nur ein Partner profitiert, treffe nicht zu, ganz im Gegenteil: "Von einer fremden Kultur zu lernen, die so tief verwurzelt mit ihrem Land und seinen Ressourcen ist, ist einfach faszinierend. Das Wort Solidarität hat bei den Mayas eine so fundamentale Bedeutung, dass wir umgekehrt in Europa einiges von ihnen lernen könnten. Die Art und Weise, wie die Menschen mit den Limitierungen ihres Wohlstandes zurechtkommen, wie flexibel sie bei der Entwicklung neuer Einkommensquellen sind, ohne jemals mit ihrem Schicksal zu hadern, haben mich tief beeindruckt."
© panda magazin Nr. 3/2009
World Wide Fund For Nature






