Mit Nadel und Faden in die Zukunft
"Ich bin jeden Tag über zwei Stunden zu Fuß und mit dem Bus zum Ausbildungszentrum und zurück unterwegs. Aber es lohnt sich", erzählt Naureen Jehangir freudestrahlend. Naureen Jehangir ist Schülerin des Women Skills Training Centre (WSTC) in Dhulli (Pakistan). Gemeinsam mit rund 25 anderen jungen Frauen erhält sie im WSTC eine sechs Monate dauernde Grundausbildung als Schneiderin. Am Lehrplan stehen Nähen, Stricken und Sticken.
Ein Stück Unabhängigkeit
Die Frauen und Mädchen nehmen den oft langen und beschwerlichen Weg nach Dhulli gerne auf sich. Die meisten von ihnen haben bisher keine Schule abgeschlossen und hatten durch die Abgeschiedenheit ihrer Häuser und Dörfer auch kaum Kontakt zu Personen außerhalb ihrer Familien. Mit der Ausbildung im WSTC können sie nicht nur ganz erheblich zum Familieneinkommen beitragen, sie erlangen auch ein Stück Unabhängigkeit. Als Schneiderinnen verdienen sie zwischen 3.000 und 4.000 Pakistanischen Rupien, was in etwa dem Gehalt eines Volksschullehrers in dieser Region entspricht.
Eine Gesellschaft im Wandel
Entstanden ist das Ausbildungszentrum Anfang 2008 auf Initiative von proLoka und Hope'87 mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Entscheidend für den Erfolg des Projektes war und ist die Akzeptanz der lokalen Behörden und der Bevölkerung: Dhulli, ein kleines Bergdorf im pakistanischen Teil des Kaschmir, liegt ganz nah an der Grenze zu Indien. Die Häuser stehen weit verstreut und abgelegen an den steilen Berghängen, ihre BewohnerInnen leben vorwiegend von der Landwirtschaft. Wie auch im restlichen Kaschmir ist die Dorfgemeinschaft islamisch-konservativ geprägt. Erstmals erfahren Mädchen und Frauen durch das Erlernen eines Berufes breite Anerkennung und Respekt in der Gesellschaft über ihre traditionell eng gefasste Rolle in der Familie hinaus. "Wir sind dankbar für die Chance, die uns und unseren Töchtern mit diesem Ausbildungszentrum gegeben wurde", betont Muhammad Shiraz, ein angesehener Lehrer der lokalen Schule und Unterstützer des Projektes. "Wir, die Einwohner Dhullis und seiner Nachbardörfer, müssen aber dafür sorgen, dass es weiter erfolgreich bleibt."
Die Zukunft in Frauenhand
Muhammad Shiraz spricht bereits die Zukunft des WSTC an. Nach Projektende und Rückzug der Projektpartner Anfang 2010 sollen die Frauen ihr Ausbildungszentrum selbst übernehmen und die Schule weiterführen. Bereits jetzt wird das dazu erforderliche Know-how an dafür geeignete Frauen vermittelt. Den Segen der örtlichen Behörden und Politiker haben sie: "Wir werden unsere Töchter in Zukunft dabei unterstützen, ihre erworbenen Fähigkeiten weiterzugeben und diesen Ausbildungszweig für unsere Region am Leben zu erhalten", verspricht Zahid Mughal, ein lokaler Politiker.









