IT- und Mode-Boom: Auch Arbeiterinnen und Arbeiter müssen profitieren!

Südwind und CARE machen Arbeitsrechte bei den European Development Days 2019 zum Thema.

"Beseitigung von Ungleichheiten", das ist das Motto der diesjährigen European Development Days, die von 18. bis 19. Juni 2019 in Brüssel stattfinden. Auch die beiden österreichischen entwicklungspolitischen Organisationen Südwind und CARE sind vor Ort. Sie machen auf die prekäre Situation von Arbeiterinnen und Arbeitern in der Bekleidungs- und Elektronikindustrie aufmerksam.

Die Bekleidungs- und IT-Industrie gehören global gesehen zu den wichtigsten und stetig wachsenden Wirtschaftsbereichen. Allein in Bangladesch sind rund 4,5 Mio. Menschen in der Bekleidungsindustrie beschäftigt, mehr als 80% davon Frauen. Während Unternehmen der Branchen große Gewinne einstreifen, bleiben die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern auf der Strecke. In beiden Sektoren sind gefährliche Arbeitsbedingungen, Diskriminierung, schlechte Bezahlung und sexuelle Belästigung alltäglich.

"Auch sechs Jahre nach dem Einsturz von Rana Plaza, bei dem über 1.000 Menschen getötet wurden, sind die Arbeitsbedingungen für die vorwiegend weiblichen Textilarbeiterinnen oft katastrophal", bestätigt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. CARE vernetzt Arbeiterinnen und Annen, Aktivistinnen und Aktivisten und Gewerkschaften in seinen Projektländern, damit sie sich gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. "Es ist wichtig, dass die Frauen gestärkt werden, damit sie die Umsetzung von Arbeitsrechten einfordern können."

Südwind engagiert sich seit nunmehr 30 Jahren im Rahmen der Clean Clothes-Kampagne für faire Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen und -arbeitern auf der ganzen Welt. "Die kritische Öffentlichkeit hat bei Unternehmen einen gewissen Druck erzeugt. Viele führende Modemarken verlegen darum ihren Produktionsstandort nach Osteuropa und rühmen sich mit Produkten die "Made in Europe" sind. Doch die Arbeitsbedingungen bleiben katastrophal", führt Gertrude Klaffenböck von Südwind die aktuellen Herausforderungen im Textilbereich weiter aus.

Die Situation in der Elektronikindustrie beleuchtet Matthias Haberl von Südwind näher: "Die Elektronikindustrie glänzt nach außen mit schimmernden Smartphones und High-Tech. Die Realität in chinesischen Zulieferbetrieben sind hingegen überlange Arbeitszeiten, Hungerlöhne, gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen und Selbstmorde." Südwind organisiert laufend Kampagnen für faire und transparente Produktionsketten, damit europäische Konsumentinnen und Konsumenten wissen, woran sie nachhaltige Produkte erkennen und worauf sie beim Kauf achten müssen. Bildungsarbeit mit Jugendlichen, um Bewusstsein für nachhaltigen Konsum zu schaffen, ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Südwind.

"Sowohl CARE als auch Südwind sind langjährige Partner der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam setzen wir uns für die Stärkung fairer Arbeitsbedingungen und nachhaltiger Produktionsmuster ein. Denn für globale Gerechtigkeit tragen wir alle Verantwortung. Mit bewusstem Konsum kann jede und jeder Einzelne dieser Verantwortung in einer vernetzten Welt gerecht werden", ergänzt Martin Ledolter, Geschäftsführer der Austrian Development Agency, die zahlreiche Projekte zivilgesellschaftlicher Organisationen in Entwicklungsländern sowie Initiativen der Bildungs- und Bewusstseinsarbeit in Österreich fördert.