Corona-App: Ärzte in Afrika und im Nahen Osten tauschen online ihr Wissen aus

Über die Plattform MedShr.net erhält Gesundheitspersonal in Äthiopien, Nigeria, Uganda, im Irak und in Jordanien kostenlosen Zugang zur Diagnose und Behandlung von COVID-19. Unterstützung kommt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Angesichts der rasanten Ausbreitung des Coronavirus starteten die Austrian Development Agency (ADA) und die Londoner Gesundheitsplattform MedShr Anfang April eine Wirtschaftspartnerschaft. Bis zu 150.000 Ärztinnen und Ärzte in Afrika und im Nahen Osten sollen von klinischem Know-how im Umgang mit COVID-19 profitieren. Die Wiener INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH unterstützt die online-Bildungsoffensive als strategischer Partner.

Hilfe in herausforderndem Umfeld

"Das Virus gefährdet vor allem Menschen in Entwicklungsländern mit schwacher Gesundheitsversorgung. Diese Menschen gilt es nun besonders zu schützen“, betont ADA-Geschäftsführer Martin Ledolter. "Die Ausbreitung von COVID-19 zeigt einmal mehr, wie sehr wir grenzübergreifende Innovationen brauchen, die die weitere Ausbreitung des Coronavirus stoppen, Menschen vor der Krankheit schützen und neue Behandlungsmethoden erproben. Gemeinsam mit MedShr leisten wir zu alldem einen wichtigen Beitrag", so Ledolter. Die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit fördert die einjährige Initiative mit über 180.000 Euro.

"Aktuell konzentriert sich ein Großteil der Empfehlungen und des Bildungsangebots zu Corona auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen, die mit den notwendigen Geräten ausgestattet sind. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, darüber hinauszugehen", sagt Dr. Asif Qasim, Kardiologe und MedShr-Gründer bzw. -Geschäftsführer. "Mit der Unterstützung aus Österreich treiben wir Bildung rund um die Diagnose und die Behandlung von COVID-19 in Afrika und im Nahen Osten voran. Damit stärken wir medizinisches Personal in einem besonders herausfordernden Umfeld", so Qasim.

Wissen von Ärzten für Ärzte

MedShr wurde von Ärztinnen und Ärzten entwickelt und 2015 in London ins Leben gerufen. Das Projekt startet zunächst in Äthiopien und Uganda – beide Schwerpunktländer der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit seit den frühen 1990er-Jahren – sowie in Nigeria, im Irak und in Jordanien. In weiterer Folge soll die Initiative auf den gesamten afrikanischen Kontinent und den Nahen Osten ausgedehnt werden. Vor allem Menschen in ländlichen Gegenden wird damit geholfen. Durch die App haben sie Zugang zu besseren Präventivmaßnahmen, besserer Betreuung und besserer Behandlung.

Digitale Gesundheitslösungen vorantreiben

Gerade in Zeiten einer Pandemie wächst die Bedeutung digitaler Vernetzung auch im Gesundheitsbereich. MedShr ist Teil des Health Hub Vienna, der von der Wiener INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH betreut wird. INiTS unterstützt die Wirtschaftspartnerschaft zwischen ADA und MedShr als strategischer Partner in Österreich. "Wir helfen, internationale digitale Lösungen im Gesundheitsbereich zu beschleunigen und diese für den österreichischen Markt aufzubereiten. Wir beraten MedShr insbesondere dabei, ihr Wissen auch für den österreichischen Gesundheitssektor nutzbar zu machen", so INiTS-Geschäftsführerin Irene Fialka.

Weltweit nützen bereits eine Million Ärztinnen und Ärzte das Bildungsangebot von MedShr. Über die Plattform können sie sich online und via Smartphone austauschen, Fragen zu Diagnose- oder Behandlungsmöglichkeiten stellen oder den neuesten Stand der Forschung diskutieren. Vor dem Hintergrund der Coronakrise weiten MedShr und ADA dieses Angebot nun gezielt auf Länder in Afrika und im Nahen Osten aus. Der Schritt liegt für alle Projektbeteiligten auf der Hand: Er rettet Leben.