Den „Gap“ überwinden: Österreich stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Das Projekt „Bridging the Gap“ setzt sich für gestärkte Rechte von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern ein.

„Bridging the Gap“ oder auf Deutsch „Brücken schlagen“, so heißt der zugleich klingende wie treffende Titel eines Projekts der Europäischen Union (EU), das die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Äthiopien, Burkina Faso, Ecuador, Paraguay und im Sudan vorantreibt. Die Austrian Development Agency (ADA) wurde von der EU mit der Umsetzung des Projekts in Äthiopien, einem Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, beauftragt. Das Projekt zielt auf eine stärkere Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen auf internationaler wie auf Länderebene ab. Im November veranstaltete die ADA im nordäthiopischen Gondar ein Training für 20 Inklusionsbeauftragte der Regierungsbüros in der Region Amhara. Sie tragen das Gelernte in ihren Amtsbereichen nun weiter.

Brücken schlagen für inklusive Entwicklung

80 Prozent der Menschen mit Behinderungen weltweit leben in Entwicklungsländern. Die gemeinsame Initiative ist eine klare Antwort auf die internationale Forderung, Entwicklungszusammenarbeit für alle Menschen zugänglich zu machen und inklusiv zu gestalten. Mit „Bridging the Gap“ werden die EU und Österreich dieser Verantwortung gerecht. In Äthiopien konzentriert sich „Bridging the Gap“ auf die gestärkte Widerstandsfähigkeit und die soziale Absicherung von Menschen mit Behinderungen. Die ADA setzt das Projekt in den Regionen Amhara und Somali sowie auf Bundesebene um. Dabei unterstützen die EU und Österreich besonders Frauen und junge Menschen mit Behinderungen.

Dimensionen von Behinderungen verstehen

Das Projekt berät Regierungen, Menschenrechtsinstitutionen, Interessenvertretungen und internationale Geberorganisationen bei der konkreten Umsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Trainings und Workshops stärken das Wissen und die Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Institutionen und sensibilisieren sie zum Thema Behinderung und Inklusion.

Bei dem Training im vergangenen November identifizierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedliche Barrieren, denen Menschen mit Behinderungen im Alltag ausgesetzt sind. Und sie analysierten Sprache, Terminologien und Gesetzgebungen in Bezug auf Inklusion. Insbesondere geschlechtsspezifische Diskriminierung wurde dabei angesprochen. Denn Frauen mit Behinderungen sind oft doppelt stigmatisiert. Rollenspiele veranschaulichten die Hürden, die Menschen mit Behinderungen täglich überwinden müssen. Auch Herausforderungen zur Gender-Thematik kamen bei den Rollenspielen zur Geltung.

Frauen treiben Veränderung voran

Was das Training zum Erfolg machte? Vor allem die Teilnahme von engagierten Frauen, die teilweise selbst mit Behinderungen ihren Alltag meistern.  Als Inklusionsbeauftragte verfügen sie nun über die notwendige Expertise, um positive Veränderung in ihrem Amtsbereich voranzutreiben. Zu sehen, welch hohe Wellen dieses neue Wissen schlägt, war für die ADA-Fachreferentin für Governance und Menschenrechte Sara Soltani besonders inspirierend und motivierend: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben das Training voller Tatendrang verlassen. Es freut mich sehr, dass ‚Bridging the Gap‘ so ein essenzielles Thema wie Inklusion direkt anspricht und konkrete Ansätze zur Umsetzung liefert.“