Frauen heben der Landwirtschaft Kosovos die Flügel

Gemeinsam mit Caritas Schweiz unterstützen wir Bäuerinnen im Kosovo dabei, ihre Betriebe und die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft auf ein neues Niveau zu heben.

Der kosovarische Landwirtschaftssektor kämpft mit begrenzten Produktions- und Organisationskapazitäten, mangelndem Zugang zu Know-how und Umweltrisiken. Das Projekt Sustainable and Inclusive Rural Economic Development (SIRED), das von unserem Partner Caritas Schweiz umgesetzt wird, trägt zur ländlichen Entwicklung und zu einem integrativen Marktsystem bei. Es bezieht Produzentinnen ein und steigert dadurch deren Einkommen und Produktivität. Dadurch wird die Armut der ländlichen Bevölkerung verringert, insbesondere unter Frauen und marginalisierten Gruppen.

Die bestehenden geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im Bereich der Landwirtschaft behindern nach wie vor die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen in ländlichen Gebieten. Um geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der formellen Agrarwirtschaft zu beseitigen, unterstützt das SIRED-Programm Fraueninitiativen, die ihre Wirtschaftstätigkeit formalisieren und stärken wollen.

Starthilfe für kosovarische Unternehmen

Remzije Berisha ist Unternehmerin im Kosovo. 2018 gründet sie das Agrarunternehmen „Remzije Berisha B.I.“, dem ausschließlich Frauen angehören. Ihr Unternehmen befindet sich im Dorf Prugovc in der Gemeinde Pristina und stellt verschiedene Arten traditioneller albanischer Lebensmittel und Gerichte her, darunter verschiedene Arten von eingelegtem Gemüse, Aufstrich aus gerösteten roten Paprika, allgemein bekannt als Ajvar, sowie traditionelle Backwaren.    

Ins Unternehmertum gestartet ist sie erst nach einem Schicksalsschlag. 2001 verstarb ihr Mann, sie musste allein für ihre fünf Kinder sorgen. Auf der Suche nach einer besseren Zukunft für ihre Familie gründete sie 2010 ihren landwirtschaftlichen Betrieb und rief die Alba Association ins Leben. Der Verband brachte 25 Bäuerinnen zusammen, viele von ihnen Witwen oder alleinerziehende Mütter mit schlechten wirtschaftlichen Aussichten. „Das Schöne an der Arbeit in der Alba Association ist, dass sich die Frauen hier ständig gegenseitig bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen und motivieren. Das spielt für uns eine wichtige Rolle, denn Frauen auf dem Land zögern oft zu arbeiten aufgrund gesellschaftlicher Vorurteile gegenüber arbeitenden Frauen auf dem Land", erzählt Remzije. Heute sind die meisten Bäuerinnen des Verbandes die Ernährerinnen ihrer Familien.

Eine der größten Schwierigkeiten für Remzije und den Verband besteht darin, der Nachfrage des Marktes nachzukommen und die Produktionslinien zu erweitern, da die Arbeitsbedingungen in der heimischen Verarbeitungsindustrie dem von den Frauen gewünschten Geschäftswachstum im Wege stehen. Im Jahr 2021 konnte Remzije dank des Partnerschaftsvertrags mit dem SIRED-Projekt ihre erste Arbeitsstätte einrichten. Der geräumige und hygienische Arbeitsplatz bedeutet für Remzije höhere Verarbeitungskapazitäten und Umsätze. Sie unterstützt außerdem die derzeit 75 Mitglieder der Alba Association. Diese haben nun den Platz, um ihre Produkte ordnungsgemäß verarbeiten zu können.

Derzeit beliefert Remzije den lokalen Markt mit seinen Produkten über verschiedene Ladenketten im Kosovo. Die Nachfrage vor Ort ist groß, aber Remzije hat höhere Ambitionen und arbeitet derzeit an einer Zusammenarbeit, um ihre Produkte auf internationale Märkte zu exportieren. Für diesen nächsten Schritt sind die Schulungen über gute Hygiene- und Produktionspraktiken von SIRED und der Nationalen Vereinigung für Obst und Gemüse „PePeKo“ für Remzije von entscheidender Bedeutung: „Die hohe Nachfrage nach unseren Produkten erfordert, dass unsere Mitarbeiter gut ausgebildet sind. Aus diesem Grund werden uns die von SIRED ermöglichten Schulungen sehr dabei helfen, die internationalen Standards zu erreichen, die wir erfüllen müssen, bevor wir selbst exportieren können.“

Abgesehen von ihren geschäftlichen Zielen möchte Remzije ihren Erfolg nutzen, um Frauen und Jugendlichen etwas zurückzugeben. „Die größte Errungenschaft meines bisherigen Weges ist es, mich und meine Familie finanziell unterstützen zu können, meinen Kindern eine Ausbildung und bessere Zukunftschancen zu ermöglichen und zu versuchen, dasselbe für andere Frauen zu tun, die aus Randgruppen kommen. Außerdem freue ich mich besonders darüber, dass ich junge Landwirte in der Agrarindustrie beschäftigen kann, deren Wunsch zu arbeiten sehr stark gestiegen ist, als sie die Ergebnisse der SIRED-Unterstützung für meine Agrarindustrie gesehen haben. Indem ich junge Mädchen und Jungen aus dem ländlichen Raum beschäftige, biete ich ihnen eine Chance, im Kosovo zu arbeiten und zu bleiben“.

Dank der Unterstützung von Remzije bei der Gründung ihres Betriebs bemühen sich mehr Frauen aus der Region, ihre Tätigkeit in der Landwirtschaft zu formalisieren. Dadurch schafft SIRED ein wirtschaftliches Umfeld, in dem Frauen mehr Möglichkeiten haben und ihr sozialer Status im Kosovo Schritt für Schritt verbessert wird.