Mit süßen Kirschen gegen den Klimawandel

Wir unterstützen ein Wasserspeicher-Projekt der UNDP in Moldau und setzen nachhaltige Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel.

In der Nähe des Dorfes Fundul Galbenei im Bezirk Hincesti in Moldau, eines der ärmsten Länder Europas, befindet sich die 15 Hektar große Kirschplantage von Gheorghe und Vasile Grosu. Seit sechs Jahren bewirtschaften die Brüder die Plantage. Für den malerischen Standort spricht vor allem die vorteilhafte Lage der landwirtschaftlichen Felder für die Bewässerung; der gute Wasserabfluss bei starken Regenfällen ist in der stark von Trockenheit betroffenen Republik Moldau, einem Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, besonders wichtig.

Die errichteten Wasserspeicherbecken, wie sie auch bei einigen erfolgreichen Produzenten in Europa eingesetzt werden, konnten die beiden Landwirte jedoch nicht vollständig nutzen. Obwohl sich die Becken nach jedem Regen mit Wasser füllten, konnte dieses nicht gespeichert werden. 

Erst in diesem Jahr gelang es, im Rahmen eines Projektes des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) eine innovative Bewässerungstechnologie für Obstgärten zu errichten. Die technische Expertise kommt von der UNDP, wir unterstützen das Projekt mit knapp 26.000 Euro.  „Das Regenwasserspeicherbecken der Firma GG Prim Ltd. für die Kirschenplantage ist eines der zehn Becken, die mit finanzieller Unterstützung der ADA aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in den Bezirken Cantemir, Criuleni, Hincesti, Leova und Ungheni gebaut wurden. Die Speicherbecken ermöglichen existenzsichernde Arbeit, erhöhen die Biodiversität und sind eine nachhaltige Maßnahme gegen den Klimawandel", erläutert Gunther Zimmer, Leiter unseres Auslandsbüros in Chisinau. 

Kostengünstige und nachhaltige Bewässerung

Das vor kurzem in Betrieb genommene Becken ist mit einer offenen und geschlossenen hydrotechnischen Ausrüstung, einer Wasserpumpe sowie einer Geomembran zur besseren Abdichtung ausgestattet. Mit einer Fläche von 3.000 Quadratmetern und einem Fassungsvermögen von 5.000 Kubikmetern kann mit dem Becken der gesamte Obstgarten auch während extremer Trockenheit bewässert werden. Billige und zuverlässige Wasserquelle ist das saubere und von Salz befreite Regenwasser. „Das Prinzip für den Betrieb unseres Bewässerungssystems ist sehr einfach, effizient und kostengünstig: Das Niederschlagswasser wird auf natürliche Weise im Becken gespeichert und gefiltert, setzt sich ab und wird in Wassertanks auf der Hügelkuppe gepumpt. Von dort aus erreicht es unter Druck und durch Rohre das gesamte Gebiet des Obstgartens. Es ist somit eine umweltfreundliche und nachhaltige Methode, ", sagt Vasile Grosu, einer der beiden Eigentümer und Gründer der Firma GG Prim Ltd.

Die schwer mit Früchten beladenen Bäume sind ein beeindruckender Beweis für die optimale Ressourcennutzung. Obwohl es sich noch um einen jungen Obstgarten handelt, schätzt Vasile Grosu die diesjährige Ernte auf etwa zwölf Tonnen Kirschen pro Hektar. Die Tropfbewässerung sorgt jedoch nicht nur für eine reiche Ernte, sondern auch für die erstklassige Qualität und die erforderliche Form der Früchte. „Heutzutage ist die Qualität der Früchte der Hauptfaktor, der den Verkauf sichert und den Preis bestimmt. Vor einigen Jahren haben wir entschieden, Kirschen zu pflanzen, da es auf dem Markt ein Defizit an diesen Früchten gab. Es gab mehr Käufer als Verkäufer. Heute hat sich die Sache umgekehrt und es gewinnt nur derjenige, der qualitative Ware anbietet", berichtet der Landwirt.

Bei der Ernte sind bis zu 300 Saisonarbeiter beschäftigt. Die großen, fleischigen und süßen Kirschen werden direkt den Weg nach Russland nehmen, ein Teil wird in europäische Länder exportiert. Die Brüder Grosu freuen sich über den Erfolg des ambitionierten Projektes: „Unsere Früchte sind sehr beliebt. Wir schaffen es kaum, die jetzt schon hohe Nachfrage zu bewältigen. Abgesehen davon, dass sie so köstlich sind und schön aussehen, erfüllen unsere Kirschen alle Qualitätsstandards."

Unsere Arbeit in Moldau

Moldau ist seit 2004 Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die Aktivitäten der ADA konzentrieren sich auf Projekte in den Bereichen Wasserver- und AbwasserentsorgungUmwelt und Klimawandel sowie Wirtschaft und Beschäftigung. Dabei wird der Berufsaus- und weiterbildung besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Junge Menschen sollen besser qualifizierte Arbeit und Perspektiven in der Heimat finden. Die gesamten öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen Österreichs (ODA) an Moldau beliefen sich zwischen 1997 und 2019 auf 58,47 Millionen Euro. 28,43 Millionen Euro davon machen die Leistungen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit aus.