Wie das Geschäft um Afrikas Boden Existenzen bedroht

Agrarland gilt in Afrika als wertvolles Gut – für die lokale Bevölkerung wie auch Investoren. Wir setzen uns für das Recht auf Land und Wasser ein und unterstützen das Institute for Poverty Land and Agrarian Studies dabei, die Existenz von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu schützen.

Der fruchtbare Boden Afrikas ist ins Zentrum des globalen Landgeschäfts gerückt. 42 Prozent der weltweit abgeschlossenen Geschäfte betreffen 10 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche am afrikanischen Kontinent. Das macht ihn zur begehrtesten Region im Globalen Süden, wie aus Berichten der Datenbank Land Matrix hervorgeht. Die neu erworbenen Ländereien dienen zum Großteil dem Anbau von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen für Agrotreibstoffe. Doch noch eine weitere lebensnotwendige Ressource erstehen die KäuferInnen und Käufer meist wissentlich: Wasser.

Studien zeigen Missstände auf

Seit 2016 untersucht das Institute for Poverty Land and Agrarian Studies (PLAAS) landwirtschaftliche Investitionen in Afrika und die Folgen für die Menschen vor Ort. Wir unterstützen das Institut dabei finanziell mit 650.000 Euro. Das Projekt „Land and Water Rights in Southern Africa: Entrenching Global and Regional Policy” soll auf lange Sicht das Recht von 181 Millionen Kleinlandbesitzerinnen und -besitzer auf Grund und Boden wahren.

Dazu führte das Institut in neun Bezirken in sieben Provinzen Mosambiks, Südafrikas und Sambias Studien durch – mit deutlichen Ergebnissen. Landstriche wechseln in den meisten Fällen nicht freiwillig die Besitzerin oder den Besitzer. In etwa 90 Prozent der Fälle erhielten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern keine oder nur eine unzureichende Entschädigung. Insgesamt verloren sie rund 160.000 Hektar nutzbares Land, die versprochenen Arbeitsplätze blieben aus.

Über Rechte aufklären

Mit ihrem Land verlieren viele Menschen auch die Grundlagen für ihre eigene Existenz. Ohne Ackerland, Wasserquellen und Weidefelder drohen der lokalen Bevölkerung Ernährungs- und Einkommensunsicherheit. Die Auswirkungen sind insbesondere für Frauen spürbar.

Um die betroffene Landbevölkerung zu schützen, braucht es neue Regulierungen. PLAAS klärt Gemeinden und Betroffene über bestehende Richtlinien zu Landnutzungsrechten auf, darunter Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Sie durchzusetzen ist im südlichen Afrika jedoch schwer, sie sind meist freiwillig und unverbindlich.

Um das zu ändern, sucht das Institut den Dialog mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und lokalen Besitzerinnen und Besitzern von Land und Wasserressourcen in Mosambik, Südafrika und Sambia. PLAAS bestärkt sie darin, Forderungen nach politischen Maßnahmen zu formulieren und pflegt den Austausch mit Entscheidungsträgern, wie den nationalen Landwirtschaftsministerien.

Erste Erfolge

PLAAS erzielte bereits erste Erfolge. In Sambias Landpolitik wurde etwa 2019 das international gültige Prinzip der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC) verankert. Es wahrt das Recht indigener Völker auf Selbstbestimmung und Teilnahme an Entscheidungen, die ihr Territorium betreffen.

Von den Forschungsergebnissen profitieren auch Expertinnen und Experten aus Zivilgesellschaft, Industrie, Wissenschaft und Verwaltung. In Zusammenarbeit mit dem Network of Excellence on Land Governance in Africa (NELGA) stellt PLAAS Schulungsunterlagen und einen Kurs zur Verfügung und teilt seine Expertise mit der Afrikanischen Union (AU). Dort wirkt PLAAS im Beratungsgremium der Land Policy Initiative mit.

Mit unserer finanziellen Unterstützung wird sich PLAAS in den nächsten Jahren weiterhin dafür einsetzen, das Recht auf Land für benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu wahren.