Wissen aus den Alpen für den Himalaya

Zwei Bergnationen tauschen sich aus: Mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit verbessert Bhutan die Sicherheit und Qualität seiner Wasserkraftwerke und sichert so auf Dauer seine wichtigen Stromexporte. Für das kleine Königreich am Himalaya macht das den bedeutenden Unterschied.

Weißes Gold Wasserkraft

Bhutan, das "Land des Donnerdrachen", bietet mit seinen bis zu 7.500 Meter hohen Bergen, zahlreichen Flüssen und Gletschern ideale Bedingungen für Wasserkraftwerke. Mit Finanzierung aus Indien ging 1986 Bhutans erstes großangelegtes Wasserkraftwerk Chhukha in Betrieb. Seitdem hat das kleine Königreich am Himalaya über 1,4 Milliarden US-Dollar in die Planung und den Bau mehrerer Wasserkraftwerke investiert.

Seit knapp drei Jahrzehnten ist Österreich Bhutans strategischer Partner für die Wasserkraft – und der zweitgrößte noch dazu: Im bhutanischen Energiesektor folgt Österreich Bhutans mächtigem Nachbarn Indien gleich an nächster Stelle. Heute kann sich Bhutan erfolgreich als weltweit eines von nur zwei kohlenstoffneutralen Ländern behaupten. Der Export von Strom aus Wasserkraft, dem sogenannten "weißen Gold", macht rund ein Drittel der bhutanischen Staatseinnahmen aus.

Antrieb für Entwicklung

Die Stromexporte, die ausschließlich an Indien gehen, sind für Bhutans Entwicklung unerlässlich. Denn noch zählt Bhutan zu den weltweit am wenigsten entwickelten Ländern: 8,2 Prozent der Bevölkerung leben unter der nationalen Armutsgrenze. Für 2023 wird erwartet, dass Bhutan den Sprung zu einem Land mittleren Einkommens schafft – unter anderem auch dank der Ankurbelung seines Wirtschaftswachstums durch die Wasserkraft.

Doch die Förderung von Wasserkraft in Bhutan birgt einige Risiken: Das Himalaya-Gebirge bewegt sich viel mehr als die österreichischen Alpen. Das Königreich liegt in einer der seismisch aktivsten Zonen der Welt, direkt über der Bruchlinie zwischen der indischen und der eurasischen Kontinentalplatte. Diese feinen Bewegungen können für die Bevölkerung Bhutans tödlich enden, etwa wenn Tunnel im Berginneren einstürzen oder Dämme brechen. Darüber hinaus bedrohen die Auswirkungen des Klimawandels, so etwa die Gletscherschmelze, Bhutans sensible Umwelt. Erkennt man diese Risiken rechtzeitig, können sie abgefedert, Menschen, Kraftwerke und die Umwelt geschützt werden. Mit Expertise und Finanzierung aus Österreich gelingt genau das.

Bewegung der Berge messen – mit Technologien und Erfahrung aus Österreich

Im Auftrag der bhutanischen Regierung und zusammen mit der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die BERNARD-Gruppe das kleine Land am Himalaya dabei, die Sicherheit von Wasserkraftwerken zu verbessern. So wirkte Österreich in der Vergangenheit beim Bau dreier Wasserkraftwerke mit. Heute konzentriert sich die österreichisch-bhutanische Partnerschaft im Energiesektor primär auf die Weitergabe von Wissen und Technologien.

Wissenstransfer von Österreich nach Bhutan

Gemeinsam installierten BERNARD und das bhutanische Stromunternehmen "Druk Green Power Corporation Limited" die ersten 3D-Messinstriumente in Staudämmen und unterirdischen Arbeitsräumen von Kraftwerken. Dank dieser Geräte wurden Gebirgsbewegungen beispielsweise in den Kraftwerken Basochhu und Dagachhu rechtzeitig erkannt – Bauwerksschäden mit schwerwiegenden Folgen können so verhindert werden.

"Seit knapp 30 Jahren geben wir unser Wissen von Österreich nach Bhutan weiter – sozusagen von Ingenieuren für Ingenieure. Diese Schulungen zielen darauf ab, dass Messungen gemacht, ausgewertet und korrekt interpretiert werden. Das ist entscheidend für die Sicherheit der Kraftwerke und der Menschen gleichermaßen", sagt Wolfgang Holzleitner, Bereichsleiter für Tunnelbau und Geotechnik bei der BERNARD-Gruppe.

Kleines Land – große Wirkung

"Österreich ist wie Bhutan ein kleines Land und ein vergleichsweise kleiner Geber. Dennoch hat das kleine Königreich am Himalaya Österreich als seinen offiziellen Entwicklungspartner ausgewählt. Unsere Zusammenarbeit zeigt, wie viel langjährige und kontinuierliche Unterstützung, gekoppelt mit ausgewiesener Expertise, bewirken kann. Österreichisches Know-how in der Wasserkraft hat bei Bhutans Weg zu mehr Wohlstand und besseren Lebensbedingungen eine Schlüsselrolle gespielt: Heute hat Bhutan State-of-the-Art-Technologien und weiß, wie diese angewendet werden", betont ADA-Geschäftsführer Martin Ledolter. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit hat seit 1992 über 19,8 Millionen Euro in Bhutans Energiesektor investiert.