25.03.2020, 09:43

Lange galt Kultur, nämlich die der anderen, als Entwicklungshemmnis. Seit sich die UNESCO auf einen breiten Kulturbegriff geeinigt hat, ist das jedoch anders. Die aktuelle Ausgabe der Weltnachrichten, des Magazins der Austrian Development Agency (ADA), zeigt auf, wie Kunst und Kultur zu nachhaltiger Entwicklung beitragen können.

Lieder von einer besseren Welt, Theaterstücke mit sozialtherapeutischer Aufgabe oder Kunstwerke mit sozialpolitischem Inhalt – Kunst und Kultur fördern den gesellschaftlichen Wandel und den entwicklungspolitischen Diskurs. Die Kunst- und Kreativwirtschaft trägt laut Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung mit 3 Prozent zum weltweiten Bruttosozialprodukt bei und schafft rund 30 Millionen Arbeitsplätze.

Lange wurde dieses Potenzial jedoch nicht erkannt. Ganz im Gegenteil: Kultur galt eher als Hindernis für Entwicklung. Erst mit der UNESCO-Welterbekonvention aus dem Jahr 1972 und der zweiten Weltkulturkonferenz zehn Jahre später etablierte sich ein breiter Kulturbegriff: Neben Kunst und Literatur schließt dieser auch unterschiedliche Lebensformen, die Grundrechte der Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen ein. Viele Entwicklungsagenturen haben ihn für ihre Arbeit übernommen. Auch die Austrian Development Agency, die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Interkulturellen Dialog fördern

"Kunst macht globale Zusammenhänge und ungleiche Verteilung sichtbar. Vor allem Kulturschaffende mit Migrationshintergrund haben eine wichtige Brückenfunktion. Wir unterstützen sie, um entwicklungspolitische Themen in Österreich voranzutreiben", sagt Martin Ledolter, Geschäftsführer der Austrian Development Agency. Ein differenzierteres Bild anderer Kulturen schafft unter anderem die Initiative "kulturen in bewegung" des Wiener Instituts für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) – mit Konzerten, Festivals, Vermittlungsprogrammen und dem Austausch zwischen Künstlerinnen und Künstlern aus Österreich und dem globalen Süden. Der Auftritt Samuel Yirgas etwa, dem bedeutendsten zeitgenössischen Pianist Äthiopiens, mit der österreichischen Gruppe chuffDRONE im Wiener Jazzclub Porgy & Bess ist nur ein Beispiel davon. Gelebter Kulturaustausch wie dieser zählt zu den insgesamt 42 Aktivitäten, die VIDC in den vergangenen zwei Jahren veranstaltet hat. Über eine halbe Million Euro steuerte die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit dazu bei.

Bilder im Kopf verändern

"Wir nutzen die Kraft von Kunst und Kultur aber auch, um in unseren Partnerländern Ungleichheiten sichtbar zu machen und Vorurteile aufzubrechen. Das hilft besonders benachteiligten Menschen vor Ort, besser in ihre Gesellschaften integriert zu werden", so Ledolter. Inklusion ist beispielsweise in Armenien oder Georgien nicht selbstverständlich. So kämpfen der 16-jährige Tatul und sein Bruder Garik in ihrer Heimat gegen Vorurteile an. Die zwei jungen Armenier sitzen beide im Rollstuhl. Programme wie „Speaking of Myself“ haben ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Durch Fotografieren, Theaterspielen und Filmemachen haben die Brüder gelernt, ihre Sicht der Dinge auszudrücken und verändern damit stereotype Bilder von Menschen mit Behinderungen. Bisher wurden 1.800 junge Menschen unterstützt. Das Projekt wird von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und der Open Society Foundation gefördert und vom österreichischen Verein IZ – Vielfalt, Dialog, Bildung koordiniert.

Dies sind nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen, wie Kunst und Kultur nachhaltige Entwicklung voranbringen können. Außerdem in den Weltnachrichten 1/2020 zu lesen:  

     

  • Interview mit der mosambikanischen Theatermacherin Manuela Soeiro über das Geschichtenerzählen und ihre Arbeit mit Henning Mankell
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  • Bühne für zeitgenössische Kunst: Eine Grazer Galeristin holt in Manila marginalisierte Kunst in die Mitte der Gesellschaft.
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  • Alte Mauern in neuem Glanz: Nach dem Erdbeben vor fünf Jahren unterstützt Österreich Nepal beim Wiederaufbau wertvoller Kulturstätten.
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  • MITMACHEN! Erspartes FAIRanlagen: Plattformen, Gütesiegel und Vergleichsportale geben Auskunft über nachhaltiges Investment.
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  • Grüne Lunge in der Krise: Der Regenwald ist vielerorts bedroht. Das Jane Goodall Institute nimmt das nicht tatenlos hin.
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Die Weltnachrichten berichten vierteljährlich über entwicklungspolitische Themen. Herausgeber ist die Austrian Development Agency. Alle Beiträge, Reportagen, Interviews und Geschichten sind auch online nachzulesen.

Die Weltnachrichten sind kostenlos. Bestellungen unter oeza.info@ada.gv.at.

Austrian Development Agency

Die Austrian Development Agency, die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, unterstützt Länder in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen Entwicklung. Gemeinsam mit öffentlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen setzt die ADA derzeit Projekte und Programme mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro um.

Rückfragehinweis: 
Austrian Development Agency,  
die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit  
Mag. Katharina Schreiber
Tel.: +43 (0) 676 83903414
katharina.schreiber@ada.gv.at