80 Prozent der Menschen mit moderatem bis schwerem Hörverlust leben in Entwicklungsländern. Wie ein Tiroler Familienunternehmen die Situation verbessert.

Mishal schaut ins Publikum. Namhafte Mitglieder der pakistanischen Gesellschaft und HNO-Ärzteschaft sowie die Botschafterin und der Wirtschaftsdelegierte Österreichs warten gespannt, dass sie zu sprechen beginnt. Die 13-Jährige hält eine Rede zum Startschuss der „Hearing Healthcare Alliance“ in Pakistan.

Diese geht auf die Initiative der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und des Tiroler Medizintechnik-Unternehmens MED-EL zurück. In 14 Ländern Afrikas und Südasiens bauen sie Strukturen für bessere Hörgesundheit auf.

Rasches Handeln essenziell
Mishal wurde mit Gehörlosigkeit geboren. Sie hatte Glück – bei einem Neugeborenen-Hörscreening hat man diese entdeckt. Dank einer Hörhilfe lernte sie schließlich Hören, durch intensive Sprachtherapie auch Sprechen. Mit jedem Jahr ohne Versorgung wäre das schwieriger geworden.

Schlechte Hörgesundheit …
Die meisten Kinder in Pakistan haben weniger Glück. Denn wie in vielen anderen Entwicklungsländern gibt es in dem Land in Südasien standardmäßig keine Hörscreenings für Neugeborene. Außerdem mangelt es an HNO-Fachkräften sowie dem Zugang zu Hörhilfen und Sprachtherapie.

… mit weitreichenden Folgen
Laut WHO leben weltweit 430 Millionen Menschen mit moderatem bis schwerem Hörverlust, 80 Prozent davon in Entwicklungsländern. Betroffene sind in ihrer Lebensqualität direkt beeinträchtigt. Das wirkt sich auch auf die Entwicklung der Länder aus, da gehörlose Menschen meist nur eingeschränkt am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilnehmen können.

Besser versorgt
Die "Hearing Healthcare Alliance" zielt darauf ab, das zu ändern. In Tansania etwa gibt es jetzt ein Trainingszentrum für Ohrchirurgie. "Das Zentrum verbessert den Wissensaustausch von HNO-Fachleuten in ganz Ostafrika. Und damit auch die Versorgung von Menschen mit Hörverlust", so Aslam Nkya, Arzt am Muhimbili National Hospital in Dar-Es-Salaam. In Nepal erhielt das medizinische Institut an der Tribhuvan-Universität in Kathmandu zusätzliche Lehrpersonen und Infrastruktur für Audiologie und Sprachtherapie.

Auch an der Ziauddin-Universität im pakistanischen Karachi gibt es nun zusätzliche Ausbildungsangebote für Sprachtherapeut*innen. Amina Siddiqui, Direktorin des dort ansässigen College of Speech Language & Hearing Sciences, ist überzeugt, dass das dazu führen wird, dass Menschen mit Hörverlust die stark vokale Gesellschaft mitgestalten können.

Auf das Wann kommt es an
Bereits 40.000 Kinder erhielten über die "Hearing Healthcare Alliance" ein Neugeborenen-Hörscreening, wie jenes, das auch Mishals Leben für immer veränderte.

Schließlich ergreift die Jugendliche das Wort: "Vom Zeitpunkt der Diagnose und des Eingriffs hängt ab, ob gehörlose Kinder das Sprechen und weitere Fähigkeiten erlernen. Aus eigener Erfahrung bin ich dafür, dass das so früh wie möglich passiert."

Sebastian Holler, Regionalleiter, Hearing Healthcare Alliance, Pakistan