Die enormen Mengen an Plastikmüll belasten an vielen Orten der Welt die Umwelt. Eine österreichische Sozialunternehmerin machte in Kamerun aus diesem Problem eine innovative Businessidee: Sie produziert Dachziegel aus Altplastik.

In Kamerun gehören Plastikmüllberge zum Straßenbild. Die Österreicherin Sonja Sagmeister sah diese auf Fotos, die sie nicht mehr losließen. So machte sich die ausgebildete Innovationsmanagerin auf die Suche nach einer Lösung des Problems. Sie stieß auf eine Innovation aus Südafrika: Aus Altplastik und Sand lassen sich Dachziegel herstellen, versehen mit einer reflektierenden Beschichtung. Diese Ziegel sind bruchfester, langlebiger, ökologischer und bieten besseren Hitzeschutz als die in Kamerun üblichen Dächer aus Wellblech oder Tonziegeln.

Arbeitsplätze durch Recycling
2019 gründete Sagmeister mit Partner*innen und Investor*innen sowie einer Förderung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit die Firma AMABO. Diese hat ihren Sitz in der kamerunischen Wirtschaftsmetropole Duala und eine Fabrik in der von Armut besonders betroffenen Stadt Tiko im Südwesten des Landes.

Heute bietet AMABO sichere Arbeitsplätze für mehr als 30 Mitarbeitende. Welche Bedeutung das hat, bezeugt Lagerchef Gilbert Mbate: "Ich kann mit dem, was ich verdiene, meine Eltern und Geschwister unterstützen." Zusätzlich schafft AMABO Jobs für zahlreiche Zimmerleute, die Dachstühle für die neuen Kunststoffziegeldächer errichten.

Wachstum geht weiter
Ein günstiger Kredit der Oesterreichischen Entwicklungsbank ermöglichte AMABO schon 2020, eine zweite Produktionsmaschine zu kaufen und in eine Solaranlage zu investieren. Inzwischen exportiert die Firma sogar in Nachbarländer wie den Tschad oder Äquatorialguinea. Vor Kurzem wurde ein Generator installiert, der die häufigen Stromausfälle überbrücken soll. Vor allem ihretwegen hinkte die Produktion der Nachfrage hinterher, erklärt Verkaufsleiter Eric Donald.

Eine Herausforderung ist es, nutzbares Altplastik möglichst kostengünstig zu bekommen. AMABO ist dazu mit Bürgermeister*innen der umliegenden Städte im Gespräch. Gemeinsam planen sie Müllsammelstellen. Auch Schulen sind bereits mit an Bord.

Momentan arbeitet AMABO an der Integration von Solarpanelen in die Recycling-Dachziegel – eine wertvolle Ergänzung in einem Land, in dem Energie knapp und Sonnenschein reichlich vorhanden ist.  

Ursula Weber, Redakteurin, corporAID Magazin, ICEP